Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Auf Herrn Houston Stewart Chamberlain
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 407 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes 407 für ein fremdes Land oder für ihr Vaterland? In Amerika wurde der d-euts ch e I u d -e R o öert Prag er, weil er deutsch fühlte und cs aussprach, ermordet und sein Mörder freigesprochen, weil „es kein Verbrechen sei, einen Deutschen zu töten". Und dieser Märtyrer für das Deutschtum soll kein Deutscher gewesen sein?! Wie goto i s s e n h a s t C h a m berlain in seinen Behauptungen ist, zeigt auch folgender Fall. Er schrieb 1916 in seiner Schrift „Politische Ideale" (S. 07), nach einem alttestameutarischen Spruch könne man ohne j e d.e wirkliche Arbeit glückselig werden. Troß wiederholter Aufforderung (in der „Deutschen Israel. Zeitung" in Regensönrg) ist Herr Ehamberlain die Antwort auf die Frage 1916 bis 1918 schuldig geblieben und ist sie noch bis zum heutigen Tage schuldig, wo dieser angebliche „Spruch" im „Alten Testament" stehe. Dieser Fall stoßt durchaus nicht allein. (Vgl. auch die „Umschatt" dieses Heftes). Eine Derblüsftrche Erfindung. Die antisemitische Deutsche Wacht" in Dresden klagt in ihrer Nummer vom 23. Juli 1918 über die Zwangswirtschaft und die Rationierung der Lebensmittel. Das Blatt tritt — man höre! — für den freien Handel, den „eigentlichen Lebensnerv eines Volkes" ein, um dann mit einem kühnen Salto mortale den — Juden die Schuld für die Teuerung zuzu sch leben, denselben Inden, die sonst von den Antisemiten als Vertreter des freien Handels verhöhnt wurden. Ganz geheuer war aber der „Deutschen Wacht" diese Beweisführung wohl selber nicht. So erfindet sie sich einen neuen, höchst verblüffenden Popanz, nämlich das „I u d e n t u m all e r K onfessio n e n" , das sich auf die Nahrungsmittel und Berbrauchsartikel gestürzt und das deutsche Volk bewuchert habe. Selbstverständlich ist der Aufsatz so geschrieben, daß die Leser des Blattes nur an die wirklichen Juden denken. Die Erfindung des „Judentums aller Konfessionen" ist jedoch so eigenartig, daß wir dem AntifemiLenölatt raten, sie sich patentamtlich schützen zu lasten. De? Verlag de? „Münchener Fliegenden Blätter", Braun und Schneider, hat sich, wie wir im Juli/Augustheft seststellten, zu unserem Bedauern an der Verbreitung antisemitischer Literatur beteiligt. In dem Büchlein des sächsischen Schriftstellers von Miris „Lustige Botanik und Mine ralogie" finden sich nämlich einige höchst unpassende und verletzende -antisemitische Stellen. Wie nun der Verlag unserer Ortsgruppe München mitteilt, werden bei der nächsten Auflage des Büchleins die von uns beanstandeten Stellen entfernt werden. Eine lmMe Erklärung des Wölfischen Telegraphen-Bureaus. Die Schließung mehrerer Hotels und Fremdenhäuser in den Ostseebädern V r u n s h a u p t e n und Arendsee hat der Rostocker Zweigstelle des Wolsfschen Telegraphen-Bureaus Veranlassung zu einem Bericht gegeben, der in der Hauptsache Juden und Großküpitalisten als die Hamster bezeichnete, die obendrein noch unverschämt ausgetreten seien. Ans eine Beschwerde des Centralvereins hat die Direktion des Wolsfschen Telegraphen-Bureaus die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen und ihren sämtlichen Agenturen abermals ins Gedächtnis gerufen, daß die „Verbreitung tendenziöser, ganze Schichten deutscher Staatsbürger in Bausch und Bogen beleidigende Aeußerungen ihnen streng verboten ist", und daß gegen jede Verletzung dieser Vorschrift unnachsichtlich .eingeschritten werde. Der Inhaber Los ZahnwareuhauftZ Eduard Eicke in Frankfurt a. M. bestreitet, daß er, wie unsere Brieskastennotiz im Juli/Augustheft an gab., geäußert habe) „zwar kein Antisemit zu sein, aber Juden nicht anstellen zu wollen". Er habe vielmehr schon wiederholt jüdisches Personal beschäftigt (Herr Eicke gibt auch die Namen von drei bei ihm tätig gewesenen jüdischen Angestellten an); er habe gegen dieses Personal auch