Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Eine Antisemitenrede
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Im deutschen Reich in diesem Kriege ihre Pflicht und Schuldigkeit auf deutscher Seite voll erfüllt haben". Nur einzelne I U'd en? Hier liegt kein falscher Zungenschlag eines Redners vor, denn die Rede war schon vorher zum Abdruck gebracht worden. Herr Pros. Gebhard dürfte wohl den Bildungsgrad besitzen, der es ihm ermöglicht, feine Worte richtig zu setzen und die Tragweite feiner Behauptungen zu erkennen. Würden wir im Hinblick darauf, daß viele christliche Deutsche es verstanden haben, sich „dem Vaterlands gewinnbringend zu erhalten", in öffentlicher Rede behaupten, wir geben zu, daß einzelne chrigliche Deutsche in diesem Kriege ihre Pflicht und Schuldigkeit voll erfüllt haben, so würden wir uns nicht wundern und müßten es uns gefallen lassen, von Herrn Pros. Gebhard als Verleumder bezeichnet zu werden. Die Alldeutschen und der AntffermL Nmthcllsse. Wiederholt ist in der Oessentlichkeit fest-gestellt worden, daß Lord Northcliste nicht der Jude Isaak Stern aus Frankfurt a. M. ist, daß er sogar, woraus ja auch schon seine üblen Eigenschaften und seine Eisenstirnigkeit Hinweisen, zur AntisemitensippL gehört. Das offizielle Blatt des Alldeutschen Verbandes, die ,,A l l d e u t s ch e n Blätter" (Nummer vom 24. August) wärmen in einer Besprechung des lesenswerten Heftchens von Hilmar „Die deutschen Juden im Weltkriege" jene Lüge wieder auf. Gegen die von Hilmar angeführten bewundernswerten Leistungen der Juden im Kriege kann der Verfasser nichts anführen, so behilft er sich mit dem kleinen, auch gedanklich recht elenden Hieb: „Unter den deutschen Juden im Auslande, die sich des bedrängten Deutschtums so heldenhaft angenommen haben, vermint man (in der Hilmar scheu Schrift) nur ungern den ehrenwerten Jsaal Stern aus Frankfurt a. M., der als Lord Northcliffe unter den Engländern für deutsches Wesen wirkt." Spotten ihrer selbst. Arrf Qevvu Hsm'tsn Stewart ChLMirerlain wirft eine Zuschrift an den „Regensburger Anzeiger" ein bezeichnendes Licht. Das Blatt hat am 2i. August einen Artikel mit der Ueberschrift „Houston Stewart Chamberlain und wir" veröffentlicht, in dem der Prozeß der „Frankfurter Zeitung" gegen Chamberlain als eine Folge des Zusammenstoßes mit dem Judentum bezeichnet wurde. Aus orthodoxen jüdischen Kreisen Regensburgs erhielt nun der Anzeiger eine Zuschrift, in der ausgefübrt wird: Das Judentum hat mit dem Prozeß ebensowenig zu tun, wie das Christentum. Chamberlain hat die Behauptung ausgestellt, die „Franks. Ztg." sei in Feindesbesitz, schreibe für die Engländer, und wurde verurteilt, weil er für diese schwere Verdächtigung auch nicht den Schatten eines Beweises erbringen konnte. Das Judentum hat mit dieser Behauptung und ihrer Abwehr nicht das geringste zu schaffen. In dem Artikel des „Anzeigers" wird Theodor Wolfs (vom „Berliner Tageblatt"), „der Jude", als „Nichtdeutscher" bezeichnet. Ich habe Theodor Wolfs nicht zu vertreten. Wenn aber Theodor Wolfs, weil er Jude ist, Nichtdeutscher ist, dann sind die anderen deutschen Juden auch Nichtdeutsche. Daaeaen leae ich Verwahrung ein. Zwischen Germanen und Deutschen ist wohl zu unterscheiden. Es gibt viele deutsche Christen bis in den Hochadel und die höheren Staats- und Kirchenümter hinauf, die auch nicht „Germanen" sind. Nach Witten, Gefühl und Heberzeugung sind die deutschen Juden Deutsche. Der Engländer Chamberlain kann ein „Deutscher" sein, aber der deutsche Jude nicht. Und das soll behauptet werden 'in einer Zeit, in der Tausende von Juden für das deutsche Vaterland gefallen sind unb Tausende noch im Kampfe stehen! Kämpfen sie