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Im deutschen Reich · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · p. 403

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Article
Soziale Fürsorge für jüdische Nerven- und Gemütskranke!
Date
1918-10-01
Page
403 (sequence 1)
Language
German
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Soz. Fürsorge für jilb. Nervenu. Geutütslranle — Veranstalrungen 4QÜ Sszisle FKrsorgs für Wdische Nerverrnnh GeMüLskrmrke! Von Hermann Seckbach, Frankfurt a. M. Die Betätigung im Dienste der Nächstenliebe gehört zu den höchsten Idealen des Judentums. Und wenn wir Umschau halten unter den weitverzweigten Werken jüdischer Wohltätigkeit, so erfüllt es uns mit besonderer Befriedigung, feststellen Zu können, in rvelch außergewöhnlichem Maße die soziale Fürsorge ausgeübt wird. Dennoch gibt es ein Gebiet, das leider noch nicht genügend Beachtung findet, und auf welchem es jetzt mehr als je nötig ist, helfend einzugreisen. Es ist dies die Sorge für geeignete Unterbringung jüdischer Nerven- und Gemütsk r a n k e r. Seit Jahren ist es jedem, der Gelegenheit hat, in die häuslichen Verhältnisse solcher Kranken Einblicke zu halten, klar, daß hier im Interesse der bedauernswerten Familien etwas geschehen muß. Ich sage: der Familien; denn in der Tat, nicht nur der Kranke, sondern auch seine Angehörigen empfinden es hart/daß zur Unterbringung des Patienten in einer jüdischen Heilstätte säst keine 'Möglichkeit vorhanden ist. Wenn man in Betracht zieht, um wieviel schwieriger die Zustände in dieser Hinsicht durch den langdauernden Krieg geworden sind, wie die seelischen Wirkungen die Zahl der Gemütskranken vermehrt haben, und wie vor allen Dingen die Sorge für unsere nervenleidenden Kriegsbeschädigten auf uns lastet, so kommt man zu dem Ergebnis, daß es höchste Zeit ist, zu dieser Frage Stellung zu tteljmcn. Es liegt in der Natur der Sache, daß aus anderen Unterstützungs¬ und Fürsorgegcöieten im allgemeinen nur dort Hilfe geleistet wird, wo eine sichtbare Notlage, sei es infolge ärmlicher Verhältnisse, sei es durch langdauernde Krankheit oder in sonstiger sozialer Beziehung eingetreten ist. In allen diesen Fällen können wir die wohltuende Wirkung der dargebrachten Hilfe beobachten und neue Anregungen zugunsten der Hilfsbedürfti gen sch öp fen. Nicht so bei den Nervenkranken. Daß bisher in der Fürsorge für diese weniger .geschehen ist, ist wohl daraus zurückzusühren, daß derartige Kranke unseren Blicken entzogen und ohne weiteres in die allgemeinen Heilstätten verbracht werden. Was für ein Gewissenszwang in religiöser Hinsicht hiermit verbunden ist für solche, die nicht ausgesprochen geisteskrank sind und denen bewußt ist, wo sie sich befinden, läßt sich denken. Ungezählten Familien wird hierdurch das Maß ihrer Leiden erhöht. Hier sofort Abhilfe zu schaffen, ist, wie zugegeben werden muß, nicht leicht, aber der jüdische WohlLätigkeitssinn hat schon schwierigere Probleme gelöst. Wenn die vorhandenen Organisationen sich dieser so wichtigen Angelegenheit annehmen, und wenn alle Kreise ihr oft bewährtes, tatkräftiges Interesse aufs neue bezeugen, dann wird und muß ss gelingen, die geeignetste Unterbringung dieser bedauernswerten Personen zu ermöglichen. Gerade in der schworen Zeit, die wir setzt durchleben müssen, und die so gewaltige Anforderungen an die Nerven eines jeden stellt, fehlt es sicher nicht an Verständnis für die Wichtigkeit und Bedeutung dieser Fürsorge. VerLZrstErmgerr. Ausschuß für KriegsstaListir. Wie den Lesern dieses Blattes bekannt ist, existiert'feit Ausbruch des Krieges ein Ausschuß für KriegsstaListik, dem alle großen jüdischen Organisationen sngehören, und der es sich zur Ausgabe gestellt hat, in einer umfassenden Weise alle jüdischen

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