Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Zwei Ehrenbriefe
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 402 (sequence 2)
- Language
- German
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402 Im deutschen Reich Der eimngelische Divisionsgeistliche Thomas Breit hat den Eltern des Helden ein Veileidschreiben geschickt, in dem sich folgende Ausführungen befinden:- _ Wir verlieren den besten Arzt unserer Division. Was er um unsere töpferen, geplagten Leute verdient hat, lüßt sich nicht sagen. Auch wenn er unter seinem starken häufigen Kopfweh litt, wenn er vor sich und vor den Men scheu Recht und Pflicht gehabt hätte, sich zu schonen — für Kranke und Verwundete und vor ihnen war er immer der Gesunde, sich habe oft — manchmal in den schwersten Situationen — Gelegenheit gehabt, ihn zu bewundern ob seiner schier unverörauchbaren Energie, seiner unermüdlichen Schaffenskraft, feines lebhaften beruflichen und menschlichen Interesses, das er jedem zuwandte, der zu ihm kam. Dabei wurde er feinem Bataillon der Mann unbegrenzten Vertrauens. Ich möchte sagen, er war der Hausarzt seiner Truppe in dem Sinn, den das Wort in vergangener Zeit hatte. Nicht nur leibliche Not wußte er zu lindern, er gab auch dem Herzen Rat und Hilfe. Und das war möglich, weil er ein grundedler, durch und durch vornehmer, gänzlich selbstloser Mensch war. Unbestechlich in Ueberzeugung und Urteil, ehrenfesten und unerschütterlichen Charakters, blieb er sich selbst treu. Deshalb war er auch absolut zuverlässig. Die besten Grundsätze sind in ihm Natur geworden; darum trug jedes Werk das erhabene Gepräge innerster Notwendigkeit. Weil er in sich etwas Ganzes und Großes war, brauchte er auch nichts aus sich zu machen. So erklärt sich mir seine seltene Schlichtheit und Anspruchslosigkeit. Wie viel und eifrig mußten wir ihm Zureden nach unserem Somme-Einsatz, er möge doch seinem Kommandeur die Unterlagen geben für eine Eingabe um den Mlitär-Sanitats- Orden! Was er tat und litt, war rein und eindeutig, es geschah alles der Sache wegen. So war ihm die Aussicht aut Lohn und Lob nichts. Wenn ich mich nicht täusche, erklärt sich das alles aus seinem Innersten. Er war der R e l i g i o n fei n e r Väter treu ergeben und verleugnet sie auch vor denen nicht, die, oft ohne es selbst zu merken, eine den Juden verletzende Bemerkung taten. In welch würdiger und wirkungsvoller Weise wußte er solche Bemerkungen zurückzuweisen! Er schob seine Ik6etga*gingen nie unter die Bank, weil sie zum heiligen Besitz seiner Seele gehörten. Seien Sie stolz auf diesen Sohn! Er hat nicht umsonst gelebt. Und das ist schließlich das Größte, was man von einem Menschen sagen kann. Sein im Dienst der Treue geopfertes Leben bleibt uns ein segensreiches Erlebnis. Ich danke ihm persönlich nicht am wenigsten. Das Wort des Herrn Jesu, den: ich dienen darf, und das einst dem Nathanael galt, möchte ich auf unseren lieben -dahingeschiedenen Doktor anwenden: Siebe, ein rechter Jsraeliter, in welchem kein Falsch ist. Dieser „rechte Jsraeliter" war, wir erwähnen das mit Stolz Mitglied unseres Centralvereins und ein eifriger Kämpfer für unsere Ziele. Und mit Genugtuung weisen wir darauf bin, daß sowohl der militärische Vorgesetzte, wie der christliche Divisionsgeistliche die Treue Lammfromms zu seinem jüdischen Bekenntnis rühmend bervorheben. Wer sein Judentum schamhaft verbirgt und es am liebsten Öffentlich ableuanen möchte, vergißt, daß bei anständigen Menschen jeder Konfession und jedes Standes ein tapferer und stolzer Bekenner zur Religion der Väter stets Achtung genießen wird.