Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Antisemitische Statistik
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 364 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Im deutschen Reich ist? Diese Notiz hat nun wirklich in mehreren Blättern, unter anderem auch in der „Deutschen Tageszeitung" vom 11. Juli 1918 unter Zitierung des „Grafenauer Anzeigers" gestanden. Wir, die wir keine besonders Achtung vor den gedruckten Worten und Ziffern der Antisemiten hegen, haben uns erlaubt, an der Richtigkeit der Notiz zu zweifeln, und darum Erkundigungen einziehen lassen. Von zuständiger Stelle, nämlich dem Magistrat der Stadt Bad Tölz, wurde die Antwort erteilt: „Bon 9 86 am 7. Juli a n w e s e n d e n Fremden waren 162 israelitischer Ko ns e? f i o n." Fahnenflucht. Der bekannte Lyriker I)r. Hugo Salus, Frauenarzt in Prag, ist ans dem Judentum ansgetreten. Die Juden in der Ukraine sollen nach Ausführungen des Herrn Dr. Ernst Ienu y im roten „Tag" (vom 6. August) eine grimmige Feindschaft gegen das Deutschtum chegen. In erster Reihe wird als Grund für die Feindschaft das „Geschäft" angeführt, das durch die Ordnung der Deutschen in Handel und Wandel leiden könnte. Dr. Jenny will der Anschauung, als ob die Inden Rußlands als deutschfreundlicher Faktor zu bewerten seien, durchaus entgsgentreten. Wir wissen nicht, ob er der in der Schweiz lebt, jemals ukrainischen Boden betreten hat. Ilm so beachtenswerter ist das, was uns ein jüdischer Kriegsverwundeter, veranlaßt durch den Jenny-Artikel, aus seinem Lazarett in. Brest schreibt: „Ich machte den Vormarsch in der Ukraine bis hinter Rostow a. D. mit, wo ich verwundet wurde. Wir kamen da verschiedentlich durch jüdische Gegenden, hatten sogar das Glück, als erste Truppe in verschiedene Städte einzuziehen. Die Erfahrungen, die ich während dieser Zeit machte, zwingen mich dazu, gegen den erwähnten Artikel Einspruch zu erheben. Es erübrigt sich meines Erachtens, auf die einzelnen Punkte der Arbeit einzugehen; doch möchte ich auf Grund eines kleinen Erlebnisses das widerlegen, was wohl als der Inhalt des Artikels anzusehen ist, die Behauptung nämlich, der Jude der Ukraine sei der Feind des Deutschen. Nach unserem Einzug in Jekaterinos kam ich in einen kleinen Laden, der bis dahin geschlossen war. Wenn uns die Preise, die tatsächlich niedrig waren, noch zu hoch schienen, ließ der Verkäufer, ein Jude, sie nach. Er feilschte gar nicht, freute sich der Errettung seines Lebens und konnte, nur immer wiederholen: die Deutschen sind gute Leute. Keinesfalls war dies bloße Schmeichelei, nein, es war der Ausdruck seiner Empfindungen. Und so begegneten uns noch mehrere Fälle. Stets waren die Juden die ersten, die sich über die Wiederherstellung der Ordnung freuten. Wie war es denn auch anders denkbar, da doch gerade die Juden diejenigen waren, die am meisten unter der Verfolgung durch die Rote Garde zu leiden hatten?" Die Juden in Finnland. Das Jüdische Pressebureau in Stockholm hatte mitgeteilt, daß die finnische Regierung die Juden aus Finnland ausweise. " Die Prefseabteilung. der Finnischen Gesandtschaft entgegnet darauf, daß der finnische Landtag vor mehr als einem Jahre ein Eesetz angenommen habe, tvelches alle Hindernisse für die NaturaUmnon von Juden aufhebt, daß die Naturalisation vielleicht einzelnen Personen verweigert worden sei, die „an dem roten Aufruhr gegen die gesetzliche Regierung teilgenommen" haben. In der Erklärung heißt es dann' weiter: „Infolge des verhängnisvollen Mangels an Lebensmitteln hat stch die Regierung gezwungen gesehen, den größeren Teil der sich vorübergehend im Lande aufhaltenden Ausländer, insbesondere die Russen, unter denen sich natürlich auch eine Menge russischer Juden' befinden, aufzufordern, das Land zu verlassen. Daß diese Aufforderung sich auch auf die im Lande ansässige jüdische Bevölkerung erstrecken solle, ist dagegen nicht richtig. Auch sind dir russischen Juden keineswegs in eine