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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 363

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Ein antisemitischer Bürgermeister
Date
1918-09-01
Page
363 (sequence 2)
Language
German
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Vermischtes B63 Zugehörigkeit zum Bunde keine Nachteile erwachsen sollen (! D. Redaktion.) — das arische BluLsbekenntnis. Der Ernst der Zeit erfordert dringend einen festen Zusammenschluß aller DeutschgesinnLen, um gemeinsam dem zersetzenden Einfluß jener „s ch w a r z - r o L -g o l d e n e n Internationale" entgegenzutreten. Dieses Werbeschreiben ist besonders an die Adressen von U n g a r n und O esterre i ch ern gerichtet, die wirklich keiner Aufhetzung gegen die Juden von Görlitz aus noch bedürfen. Die „Breslauer Zeitung" aber fragt: „Wie kommen die Görlitzer, die sonst politisch so Helle sind, m einem solchen Bürgermeister?" Die Wiener „Arbeiter-Zeitung" bemerkt: „Wir glauben nicht gerade, daß der Bürgermeister von Görlitz, der offenbar viel Zeit haben muß, mir seiner Zuschrift viel Glück haben wird. Aber als ein Beweis des dreisten Auftretens und der Frechheit, mit der sich die Alldeutschen in alle Verhältnisse einmischen. verdient die Zuschrift doch Beachtung." Das „ObiuM der Juberrbesrerung". Das frühere Bismarckblatt, die „Hamburger N a ch r i ch t e n", schreibt in einem Aufsatz über Rumänien vom 27. Juli 1918: „Das Deutsche Reich hat das Odium der JudenLefreiung den Rumänen gegenüber auf sich genommen, was durchaus nicht nötig gewesen wäre." Auf diesen antisemitischen Ausfall hat ein Hamburger Mitglied des Centralvereins dem Blatt folgende treffende Erwiderung zugehen lassen: „Der Leitartikel „Bedenken über Rumänien" in Ihrem heutigen Abendblatt (Nr. 380) veranlaßt mich, Ihnen unverblümt meine größte Empörung auszusprechen, soweit es sich auf den letzten Absatz über Befreiung der Juden bezieht. Sie wollen als ein führendes 'Blatt gelten, welches die Zivilisation, die Nächstenliebe usw. verteidigt und namentlich dagegen ankampst, uns Deutschen das O'dium der Barbarei anzuhangen, und da finden Sie es für richtig, zu sagen: „daß Deutschland das Odium der Judenbefreiung den Rumänen gegenüber auf sich genommen, was durchaus nicht nötig gewesen wäre". Im Friedensvertrage des Berliner Kongresses wurde doch die Eman- - zipation der Juden in Rumänien sestgelegt. Deutschland hat mitunterschrieöen, und da finden Sie -es bedauerlich, daß Deutschland jetzt auf die Beseitigung dieser Wunde hingewiesen hat. Statt stolz daraus zu sein, daß Deutschland das Gewicht seines Einflusses zugunsten der Unterdrückten und zur Befolgung der Ehrenpflichten eines Vertrages einlegt, stellen Sie unser Vaterland durch Ihren Hinweis bloß und gießen Oel auf die Verleumdungsflammen'der Feinde. Sie werden sehen, welch schlechten Eindruck dieser Artikel verursachen wird. Ihr Korrespondent ist ein gefühlloser Antisemit der schlimmsten Sorte. Ich bin mehr als dreißig Jahre Abonnent Ihres Blattes, aber so empört wie über den heutigen Artikel war ich noch nie." Antisemitische Statistik. In der Umschau der vorigen Nummer haben wir an einem Beispiel der „Deutschvölkischen Blätter" gezeigt, welches Spiel die An-tisemiten mit der (Statistik treiben in der berechneten Erwägung, daß Ziffern auf das oberflächliche Lesepublikum stets 'einen ungewöhnlich kräftigen Eindruck machen. Man gruppiert Zahlen zum bestimmten Zweck und kann am Schluß sagen: ,.Q.uod erat demonstrandum.“ Die Antisemiten bekommen es aber fertig, auch ohne Gruppierung von Ziffern täuschen zu wollen. Sie geben nackte Zahlen als Tatsachen an und sagen sich mit Recht, daß der Leser doch nicht an Tatsachen zweifelch wird. Wenn zum Beispiel veröffentlicht wirch in Bad Tölz befinden sich gegenwärtig 600 Kurgäste, von denen 583 Juden sind — wer sollte trotz seinem Erstaunen über diesen Umstand au? den Gedanken kommen, an der Angabe zu zweifeln, besonders wenn ne gedruckt

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