Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Antisemitische Machenschaften
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 362 (sequence 2)
- Language
- German
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302 Im deutschen Reich die aus der ganzen Erde ihr Leben gaben für die gemeinsame Sache 'der Arbeiter. Die Juden haben Lein besonderes Interesse am Untergang Deutschlands, obgleich es zum größten Teil antisemitisch und judenfemdlich ist, im Gegenteil, wir Semiten haben die Völker niemals auseinandergehetzt, obwohl uns säst die Presse der ganzen Welt gehört, wir machen aus dem Frieden auch lein Geschält. . . Darum, Proletarier aller Länder, vereinigt euch, wie uns Marr sagte; der Sieg wird euer sein, das habt-ihr in Rußland gesehen, wo wir jetzt wieder mit den Arbeitern an der Spitze stehen. Die B o l s ch e w i l i s sind auch nichts o s ch l r m m , wie die „Deutsche Tageszeitung" und andere gewissenlose Zeitungenbehaupten; sie brachten uns die wahre Kultur und den Schwung in das von den Antisemiten absichtlich in Verblödung gehaltene Rußland. Darum tretet aus allen unnützlichen Arbeitervereinen, in die man euch gefangen hat, wieder heraus und tretet als Förderer dem neuen K a m p s ü u n d bei, dem Z u s a nt m e nschluß aller Juden Deutschlands, beiten Gründer und Vorsitzender unser James Simon ist, der sich ja, wie auch Ballin, Leopold Koppel, Walter Rathenau, Georg Arnhold und andere einen Freund des Kaisers nennen darf." LUs Drucker dieses erbärmlichen Machwerks, das sich tu jedem Wort als niedriger Täuschungsversuch verrät, ist der fingierte Name „Siegfried Breslauer in Hamburg 6" angegeben. , Dia Perfidie dieses neuesten antisemitischen Agitationsrnittels liegt darin, daß das Flugblatt nachher zweifellos den jüdischen Mitbürgern angehängt werden soloum so ihr Verhalten im Kriege zu charakterisieren. Aus der lustigen Ecke. ' Die „D eut schv ö lN sche n Blätter" vom 20. Juli 1916 schreiben: „Der Porzellanmaler Raab hat als Reichstagsabgeordneier auch sonst in der Oeffentlichkeit für die Allgemeinheit mehr geleistet, als sämtliche Juden zusammen, die das deutsche Volk unter sich dulden muß." Und da reden die Antisemiten von orientalischer Uebertroibuna! In einer Bricstastounotiz der „Deutschvölkischen Blätter" vom 2. August 1618 (da. 31') heißt es: „Sehr richtig' Das deutsche Volk muß im eigenen Lande noch mu die Gleichberechtigung mit den Juden kämpfen." Ein echter Deutscher, Fritz Pi äste mit Namen — also kein gewöhnlicher Pieske — hat sich, einem inneren Drange folgend, veranlaßt gesehen, dem Reichstag eine Petition einzureichen. Er will die Juden v O m N i ch t e r a m t a u s s ch ließen, ist jedoch so gnädig, diesen Ausschluß nur für Städte von ausgerechnet über 19 000 Einwohnern zu verlangen. Vielleicht hat der in Charlottenburg wohnhafte Antisemit das Glück, daß der Reichstag von den mehr als 6000 Petitionen, die ihm vorliegen, seine Eingabe besonders herauszieht, um ihr den Stempel aufzudrücken: Ueberaang zur Tagesordnung. Em antisemitischer Bürgermeister. Der Görlitz er Bürgermeister K. 'Maß hat ein vom „Vorwärts" ans Licht gezogenes vertrauliches Rundschreiben erlassen, in dem zum Eintritt in einen „Deutfchenbnnd" aufgefordert wird. Es heißt in dem Rundschreiben: Der Kamps richtet sich deshalb besonders gegen die „internationalen" Bestrebungen, also hauptsächlich gegen die "Sozialdemokratie — ohne einem gefunden sozialen Fortschritt enrgegenzuwirken —, gegen den Ultramontanismus — selbstverständlich ohne jede Stellungnahme gegen den katholischen Glauben — und endlich gegen, den jüdischen Geist, der sich in unserem ganzen Kulturleben so breitmacht und, mit erheblichen Mitteln ausgerüstet, immer stärker hervortritL. Er baut seine Forderungen auf die R a s s e n öi o l o gie aus und fordert daher — unter strenger Verschweigung seiner Mitglieder, denen aus ihrer