Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Eine neue Ortsgruppe : Neukölln [Nachricht]
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 357 (sequence 1)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten 357 Vereinsnachrichten. Eine neue Ortgruppe des Centralvereins konnte in Neukölln gegründet werden. Im Mai hat in den dortigen Bürgersälen eine Versammlung des Centralvereins stattgesunden, in der Justizrat Sonnenseid einen Zündenden Vortrag über das Thema „Die Juden im deutschen Rechtsstaat" hielt. Dem Ausruf des Vortragenden zur Beteiligung an den Bestrebungen des Centralvereins folgte aus der gut besuchten Versammlung sofort eine Anzahl von Personen, so daß die in der Tagesordnung vorgesehene Beschlußfassung über die Gründung einer Ortsgruppe erfolgen konnte. Die Ortsgruppe zählt schon jetzt über 100 Mitglieder. ^um 1. Vorsitzenden der Ortsgruppe wurde Ür. Alfred Gott- Heiner gewählt. Ferner ist der Vorstand folgendermaßen zusammengesetzt: Rabbiner Or. Kantorowsty, zweiter Vorsitzender; Herr Würzburg 1. Schriftführer, Herr M. Süßmann 2. Schriftführer, Herr Callmann 1. Kassenwart, Herr Alfred Rofenberg, 2. Kassenwart. Aus Mainz wird uns berichtet: Anläßlich des 25jährigen Bestehens des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens fand hier im großen Saal des Kasinos zum „Frankfurter Hof" eine von der Ortsgruppe des Centralvereins, der Mainzer Rhenusloge, dem hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur und dem Mainzer jüdischen Jugendverein veranstaltete Feier statt, die sich infolge der großen Zahl der Erschienenen zu einer überaus eindrucksvollen Kundgebung gestaltete. Eingeleiter wurde die Feier durch eine Rede des Kommerzienrats Ludwig K r o n e n ö e r g e r, der über die Tätigkeit des Centralvereins berichtete. Was dieser in den 25 Jahren für das deutsche Judentum geleistet, wie er überall für die Gleichberechtigung eingetreten, wie er Ungerechtigkeiten bekämpft, wie er Angriffe oft aögewehrt, wie er fortgesetzt der Hydra des Hasses den Kopf zu zertreten strebt, das sichert ihm und all den hervorragenden Männern, die in diesen 25 Jahren in ihm gewirkt, unseren unauslöschlichen Dank. Was der Verein will, sagt ja sein Name „Certtralverein", ein Sammelpunkt für die deutschen Juden. Wie die Deutscher', irr den Tagen der Gefahr zusamrnenstehen, so sollen auch die Juden alles Trennende vergessen, wenn es gilt, die gemeinsamen Feinde zu bekämpfen. Mehr als 200 000 deutsche Juden sind schon unter diesem Banner vereinigt. In bezug aus uns Juden gibt es keinen Burgfrieden, die Antisemiten aller Schattierungen, Alldeutsche, Deutschnationale, Feudaladel, Bauernbündler, Reformer usw., machen jetzt schon mobil, um nach dem Kriege mit aller Kraft uns unsere Rechte streitig zu machen und das Volk gegen uns aufzuhetzen. Je offener unser Bekenntnis, je fester unser Charakter, desto größer die Achtung vor uns bei allen anständigen Nichtjuden. Der Centralverein ist nach innen und nach außen die Sammelstätte im Kampfe für unser Recht und für unfere Ehre, und wie er seit 25 Jahren für uns eingetreten, so wird er weiter für uns kämpfen. Der Redner forderte die Anwesenden aus, Mitglieder zu werden und neue Mitglieder zu werben. Stürmischer Beifall folgte diesen Worten. Armeeraöbiner Or. Levi aus Breslau hielt dann einen mit Dank aufgenommenen interessanten Vortrag über seine Erlebnisse bei den Glaubensgenossen in Litauen, den er durch Lichtbilder ergänzte. In der Ortsgruppe MyslLWrtz wurde anläßlich des 25jährigen Jubiläums des Centralvereins eine Festversammlung abgehalten. Der Vorsitzende, Rabbiner vr. Halpersohn, hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über „Ein Vierteljahrhundert des Centralvereins", in dem er die Ziele und Zwecke unserer Organisation darlegte. Der Erfolg des Abends war der Beitritt einiger neuer Mitglieder aus der Gemeinde Myslowitz und ihrer Umgebung.