Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Antisemitisches Geschäftsgebaren
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 315 (sequence 2)
- Language
- German
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Wissenschaft und Kunst 315 serem Hause nicht wohl fühlen werden, wir auch nicht verhindern können, daß eventuell eine gewisse Spannung Zwischen den einzelnen Parteien hervortritt, sehen wir die Sache als gelöst an und verfügen über die von Ihnen gemieteten Zimmer, sowie über das Zimmer von Frau . . Berlin, und die Zimmer von Frau Stabsarzt .... anderweitig, denn wir nehmen an, daß auch diese Herrschaften mosaisch sind/' Der Fall liegt also folgendermaßen: Man nimmt, falls der Zuspruch von christlichen Gasten nicht genügend groß ist, auch zahlende jüdische Herrschaften auf, selbst auf die Gefahr hin, daß diese sich dort nicht wohl fühlen werden und verschweigt deshalb im Prospekt den christlichen Charakter der Pension. Ist der christliche Zuspruch genügend, so wird auf die Anfrage eines jüdischen Mieters ein rechtsgültiger Vertrag, ohne die Gegenpartei überhaupt zu fragen, einfach gelöst; über die gemieteten Zimmer wird kurzerhand anderweitig verfügt, sowie auch über die Zimmer anderer Personen, von denen die Besitzerinnen „annehmen, daß auch sie mosaisch" sind. Würde ein jüdischer Gasthausöesitzer in solcher Weise verfahren, so würden die Antisemiten leinen Anstand nehmen, von schmutzigen,jüdischen Geschäftssitten zu sprechen. Wie uns von anderer Seite mitaeteilt wird, bringt sich auch die Pension Krone in Brunshauptsn durch Inserate z. B. im „Berliner Tageblatt" in empfehlende Erinnerung, ohne irgend einen Hinweis aus ihren christlichen Charakter. Unser Gewährsmann hatte im vorigen Jahr, nachdem er gemietet hatte, zufällig durch einen Prospekt erfahren, daß das Haus nur christliche Gaste aufnehm?.: auch in dem Briefe, den der Peusionsinhaber ihm geschrieben, war der christliche Charakter des Hauses mit keiner Silbe angedeutet worden. Er löste nun unverzüglich die Abmachung, hatte freilich dadurch Umstände und Kosten.— Wenn ein Pensionswirr nur christliche Gäste aufnehmen will, dann soll er es in den Prospekten, die er versendet, und in den.Inseraten, die er veröffentlicht, auch deutlich sagen! Es ist doch nicht unbedingt notwendig, daß Pensionen christlichen Charakters den Beweis mangelnden Geschästsanstandes liefern. WiffsrrschKfL unb Karrst. Börrics von MürrHhamstK über seine Mischen Balladen. Der Ballcrdendichter Börries von Münchhausen hat im „Literarischen Scho" eine autobiographische Skizze veröffentlicht (Heft 13/1. April 1918), in der er über die Entstehung seines Buches „Juda" erzählt, daß sein Freund Ephraim Moses Lilien (der bekannte Zeichner) ihn zuerst auf den Gedanken gebracht habe, diese jüdischen Balladen aus der Handschrift der anderen Balladen herauszuläfen und gesondert herauszugeben. Lilien zeichnete selber den reichen Buchschmuck "des 1600 erschienenen Werkes. Das Buch habe einen für Verse ungewöhnlichen Erfolg gehabt Lange Aufsätze erschienen darüber, Adressen gelaugten an 'den Dichter, eine sogar aus Salamanca, eine vom Obsrradoinat in Rumänien, Neöersstzungen in die ungebräuchlichsten Sprachen erschienen, daneben auch Briefe „von den merkwürdigsten Männern/'. Ein bekanntes antisemitisches Blatt lder Dichter nennt lewer seinen Namen nicht!) deutete an,'daß die Erklärung dieses Buches wohl in seinem Stammbaum oder in seinem Bankkonto zu suchen sei. Ich habe, so schreibt der einem alten niedersächsischen Adelsgxschlccht angehörende Börries von Münchhausen, allezeit gern und viel gelacht itnb bin ein „im Handwerk jeder Freude ausgelernter" Mann!