Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Die Benutzung vulgärer Ausdrücke
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 311 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes Bll dieser Ausdrücke zwei Mal Beschwerde au den Oberlaudesgerichtspräsidenten in Frankfurt a. M. gerichtet. Ihm wurde geantwortet, daß Herr AmLsgerichtsrat Bumiller bestimmt erkläre, er habe in beiden Fällen den Ausdruck „Jude" nicht anders als im Sinne von Viehhändler gebraucht; darin liege nichts Verletzendes, weil im Landgerichtsbezirk Hechingen, wo der Viehyandel ausschließlich in Händen von Juden liege, diese Äusdruckswerse allgemein gebraucht werde. Bei der Persönlichkeit des Richters habe er, der Öberlandgerichtspräsident, keinen Anlaß, an der Wahrheit seiner Angaben Zu Zweifeln.' Er habe aber Herrn Amtsgerichtsrat Bumiller auf dem Aufsichtswege wissen lassen, daß er es nicht für äuge b r 2 ch t halte, volkstümliche Ausdrucks im amtlichen Verkehr zu gebrauchen, soweit sie Mißdeutungen auZlösen oder Anstoß erregen können. Eine schrvers antisemitische Aurempslnug ist dem Kaufmann Leopold Strauß aus Leipzig widerfahren. Am 2. Mai abends saß er im Cass Bauer zu Erfurt. An den gegenüberliegenden Tisch setzte sich nachher der Sergeant Bahrend vom Erfurter Inf. Regt. Nr. 71, der kurze Zeit darauf zu Strauß hinüber die Bemerkung machte: „Sie sind wohl auch so ’n richtiger Jude". Strauß erwidert ihm: „Wenn Sie gestatten, jawohl", worauf er Zur Antwort erhielt: „Ja, so ein richtiger Drückeberger, wie sie eben alle sind". Der Sergeant hat also über die persönliche Beleidigung des Herrn Strauß hinaus in einem öffentlichen Lokal die Juden überhaupt beleidigt, indem er sie alle als Drückeberger bLZsichneLe. In diesem Fall mußte die Änrempelung um so schwerer wiegen, als Herr Strauß als aktiver Soldat bereits am ~29. November 1914 infolge schwerer Verwundung sein ganzes rechtes Bein verloren hat. Daß er sich nun von einem anscheinend gesunden Militär noch obendrein in einer solchen Weise beleidigen lassen sollte, war ihm nicht zuzumuten. Er hat deshalb sofort die dortige Wache des Garmsonkommandos in Anspruch genommen und Beschwerde zwecks disziplinarischer Bestrafung eingelegt. Ferner wird Herr Strauß beim Gericht des Generalkommandos Erfurt das Verfahren wegen Beleidigung gegen den Sergeanten beantragen. Der Verlag der Münchener Me-genden Blatte?", Braun und Schneider beteiligt sich zu unserem Bedauern an der Beröreitung antisemitischer Literatur. Er gibt ein Büchlein des sächsischen Schriftstellers Miros „Lustige Botanik und Mineralogie" heraus. Wir kennen das Büchlein ebensowenig wie den Verfasser, der in Kürschners Deutschem LiLeratur- Kalender nicht zu finden ist: die Schrift enthält aber, nach den Mitteilungen des Vereins Zur Abwehr des Antisemitismus, einige sehr arge und gehässige antisemitische Ausfälle. So heißt es auf Serie 5: ,Zeds Pflanze hat ferner einen Stamm; der verbreitetste ist der Stamm Israels.' Man mag über diesen Stamm denken, wie man will; man wird anerkennen muffen, baß derselbe nachgerade die Welt fast ebenso ösherrscht, als es die Weiber tun. Wenn daher Goethe sagt; Das ewig Weibliche Zieht uns (hin) an, so kann man vielleicht nicht ohne Berechtigung sagen: Das ewig Jüdische Zieht uns noch aus" Nrrd auf Seite 15 ist zu lesen: „4. Die Lilien (Liliac-eae), sehr unschuldige Dinger, welche weder nähen noch spinnen und dennoch gekleidet werden, wie^viele Damen, welche aber nichts weniger als Lilien sind. Zu der Familie der Lilien gehört der Knoblauch (alliuiri xorrum); dieser verbreitet einen sehr lieblichen Geruch, an welchem man sofort erkennt, mit wem man das Vergnügen hat." — Damit man diese Stelle auch richtig verstehe, ist ihr zur Erläuterung eine Abbildung öeigegeben, die aus einem der bekannten und berüchtigten antisemitischen Bilderbogen