Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Im Zeichen des Burgfriedens
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 294 (sequence 2)
- Language
- German
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294 Im deutschen Reich (Stürmischer Beifall,Herlrufe und Händeklatschen.) Herr Prof. Meyer und seine aufgehetzien Zuhörer scheinen keine antisemitischen und alldeutschen Blätter Deutschlands zu Lesen, sonst würden sie wissen, daß es in Deutschland genau so schlimm ist, wie in Oesterreich. Auch bei uns herrscht der Jude, auch bei uns mästet er sich, auch Lei uns ist er — wie es soeben erst Herr von Bo-elschwingh im Anschluß an einen ähnlichen Aufsatz des Generals von GeosaLrel Ln der alldeutsch - schwerindustrieüsn „Deutschen Zeitung" (30. Juni) behauptete — ein „Verräter und Verderbendes Volkes". Oder sollte dies alles Lug und Betrug sein? Aber kann denn ein deutscher Antisemit überhaupt lügen.? Herr Prof. Edgar Meyer mag diese Frage für sich selbst und für seine Gesimlungßgenossen beantworten. Verneint er sie, so muß er nebst seinen Tirolern die Hoffnung auf das deutsche Reich fahren lassen. Umgekehrt haben wir deutschen Juden schon genug und übergenug an unseren Antisemiten. Wir bedanken uns für den Zuwachs Lanlinarischer Personen von der Art des Herrn Professors Edgar Meyer, am allermeisten solcher, die, wenn es ihnen in ihrem Vaterlands nicht nach Wunsch geht, nach einem anderen Staat schielen und von dem „ihr Heil erhoffen". Weiß Herr Professor Edgar Mcncr nicht, daß man bei uns zu Land solche Leute vaLerlandslos und noch schlimmer nennt? Angeblich jüdischer Krisgsttmches mit -efchlsgRshmtSK MrcherrgrsEmr. Die Geschichte will nicht sterben. Auch Pfarrer Kübel in Frankfurt a. M. hat sie in seiner Siloesterprooigt in der Weißfrauenkirche erwähnt (vgl. „KanzeLantise-nillä-mus und Konsistorium" im Machest unserer Zeitschrift). Dis Geschichte lautet: Kardinal von Skrbenski in Prag habe in einer Eingabe an die Kaiserliche Wiener Kabinettskanzlei gen d.o weitere Ablieferung der Kirchenglocken Verwahrung eingelogr, m-sts die eingezogenen Glocken nicht Zur Herstellung von Krstgswworwt verwendet, sondern der Pridatspekulation einzelner bevorzugter Bketallindustrien überlassen würden, die daraus Milliouengcwmne zu machen wüßten. Es werde Zum Beispiel gemeldet, daß die Budaposter jüdische Firma Manfred Weiß, der ein berrämüowwr Teil der in Oesterreich erngezogenen Kirchenglocken zur Verehre..ung zugewiesen worden sei, den größeren Teil des GlockenguLe5> -iM' ür 5rr:ogSmateriLl, sondern zur Gewinnung von Vitriol oerw.nder tzcwe, Las zu fabelhaften Wucherpreisen an die ungamst wn W ein. Lora besitz er verkauft worden sei. Die Firma fotizte lC-j\0 Dividende Zahlen. Zuerst fanden wir Liese k-äß'iüe Gesw.ckae im Paderborner „Leo", Sonntagsülatr für das m-ooü'cre Voll' (Nr. 52), das eine Auflage von 100000 Exemplaren haken soll: der „Leo^ sprach von Manfred Weiß als dem „Kanonen üben '. Dann ging die Geschichte in etwas anderer Fassung in da-ö W^ostfü! Ache VoiköblatL", ebenfalls in Paderborn, über. (3. Januar lOlS) Der Centralderein ging nun der Sache nach und ersuyr -ns Erkundigung, daß die „Budapester jüdische Firma" Manfred Weiß vollständig in militärischer