Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Coßmann Werner
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 274 (sequence 2)
- Language
- German
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274 Im deutschen Reich Die Trauerfeier, die am 25. Juni in München ftatifarE und bei der in Vertretung unseres Vorsitzenden Justizrat Dr. Brodnitz unseren Empfindungen am Grabe Ausdruck gab, gestaltete sich zu einer erhebenden Feier, wie sie selten erlebt wird. Ungewöhnliche Ehren wurden unserem Vorkämpfer und damit den gesamten deutschen Juden am Grabe erwiesen. König Ludwig von Bayern, der in einem persönlichen Handschreiben seine lebhafte Teilnahme bekundet hatte, entsandte einen Vertreter. Der Kultusminister, der Polizeipräsident, die Vertreter der Stadt München wohnten mit vielen Vertretern anderer Behörden sowie mit zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten aller Konfessionen der Trauerfeier bei, bei der nach alter Väter Sitte Or. Werner im ungehobelten und ungeschmuckten Sarge von den trauernden Mitgliedern der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde München Zu Grabe getragen wurde. Die Friedhofshalle konnte lange nicht die Zahl der trauernden Gemeindemitglieder fassen. Doch dis äußeren Ehrungen waren es nicht, oder jedenfalls nicht in erster Linie, die die Trauerfeier so erhebend gestalteten. Aus allen Worten, die von feinen Amtsgenossen und von den Vertretern der zahlreichen Korporationen, denen Werner seine große Kraft zur Verfügung gestellt hatte, bei der Trauerfeier gesprochen wurden, strahlte eine unendliche Liebe wider, die Werner in seinem Leben verbreitet hat. „Unser Lehrer", „unser Meister", „unser Freund", so tönte es bewegt aus allen Reden, die am Grabe und in der würdigen Feier am Vormittage in der Synagoge gesprochen wurden, und alle legten am Grabe das Gelöbnis ab, im Sinne des großen Verblichenen weiterzuwirken. So ist Werner nicht gestorben, er lebt in uns. Deutschtum und Christentum. Von Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs. Vor kurzem hat Dr. Binder, ordentlicher Professor des deutschen bürgerlichen Rechts und des römischen Zivilrechts an der Universität Würzburg, im Verein „Frauenheil" zu Würzburg einen Vortrag über die Nation gehalten. Binder hatte seinerzeit die Vorträge mit angehört, die unser leider inzwischen verstorbenes Vorstandsmitglied,Oberrabbiner Professor Dr. Werner, und ich zur Feier des 25jährigen Stiftungsfestes unseres Centralvereins in Würzburg gehalten haben. An sie ankriüpfend hat er zugestanden, daß an unseren Ausführungen, die Juden hätten im Weltkriege bewiesen, daß sie deutsch empfänden wie die andern