Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Die wackere Tat eines jüdischen Arztes
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 262 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316876-2316882-2354166--28728-2354243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26Z Im deutschen Reich die am Lagerrand hielt, um mich durch sie zu decken. Die Posten wußten doch, daß ich RegimLittsarzt bin — was Zielten sie aus mich? — und in erster zorniger Wallung sage ich zu den Offizieren: „Das ist doch eine Schw.. .!" Sie entgegne len, ich entgegnete; ich verstand sie, sie verstanden mich nicht. Darauf sogleich Verhaftung. Der Stadtkommandant, ein alter, weißer Oberst mit einem rotgedunsenen Alkoholikergesicht. Er erklärte mir durch den Dolmetsch: für Kriegsgefangene gelten dieselben Bestimmungen wie für die russischen Mannschaften an der Front. Ich hätte mich gegen russische Offiziere tätlich (?) vergangen, ich hätte gemeutert, daraus stehe die Todesstrafe. So rasch stand ich aus der Grenzlinie Zwischen Tod und Leben. Ich werde aögeführt. Warte bis Zur Entscheidung im Stadtgefängnis. Unterdessen erkrankt das Kind des tzauptmanns und Lagerkommandanten. Ich glaube, an einem schweren Abszeß. Die ^rau Hauptmann schickt zu Dr. P o v v e r. Er hat eine sehr geschickte Hand. Er ist ein Künstler von Kehlkopfoperarinnen. Aber — er weigert sich, läßt der Frau Hauvtmann sagen, er habe keine Lust. Die Frau Hauptmann kommt selbst. Bietet ihm in den Händen ein schweres, blaues Noten- .öünde! an. T a u sende von R u ö e l n , noch mehr, wenn er wolle — wenn er nur das Kind rette. Er: Nein... Er operiert nur unter einer Bedingung, wenn ich — der Regimentsarzt v. Planner — freigelas s e n rv ü x d e. „Aber es handelt sich doch um das Leben eines Kindes —!" — „Der Herr Regimentsarzt hat auch Eltern. Ein. Leben wiegt wie das andere. Wenn Sie ihn sterben lassen, kann ich auch das Kind sterben lassen!" Nach geraumer Zeit die Frau Hauptmann zum drittenmal: „Sie sind ja Arzt, Sie sind verpflichtet, einen 'K'rankm: zu retten!" — „Ich bin dazu nicht verpflichtet!"— „Mein Mann wird feie ebenfalls — —" — „Bitte, ex soll mich ebenfalls erschießen lassen oder au sh äugen. Mir ganz gleich. Ich komme nur, wenn mein Kamerad Planner frei gegeben, gänzlich freigegeben, ohne Trug und Tücke frei ge geben wird. Guten Tag!" — Am nächsten Tag hält ein geschlossener Wagen vor dem Stadtgefängnis. Dr. Planner soll sofort einsteigen. Sofort, sofort — größte Eile. Es war gegen 6 Uhr. Aus dem Bock sitzt ein Muschik, aber ohne Gewehr und Bajonett. Ich steige ein. Zum Stadtkommandanten. Einige Formalitüten — und ich werde eingeladen, ins Lager zu fahren. Frei! Der Herr Hauptmann hatte seine ganze Aussage widerrufen... von Meuterei keine Spur ... Mißverständnis ... nervöse Erregung ... also frei! Ich komme ins Lager. Der Wachjoldat ohne Bajonett begleitet mich-. Der Hauptmann tritt an ihn heran und gibt ihm eine mächtige russische Ohrfeige: „Esel, geh' weg — sonst glauben sie nicht, daß der Doktor frei ist...!" Ich mußte allein, unbegleitet, unbewacht, zu Dr. Wopper geben, damit Dr. Popper sehe... Ich wurde ihm hingeschickt wie ei:: Geschenk, wie ein Ehrensold. Ganz, wie er bedungen: frei, wirklich frei, von Kopf bis Fuß. Am gleichen Tag war das Kind Operiert, sein Leben gerettet und mein's auch." Dies die Geschichte einer ärztlichen Kameradschaft. Dr. Rudolf Popper, aus Prag gebürtig, ist ein bekannter Laryngologe in Budmeis. Der Pogrom in Krakau» lieber die schändlichen Ausschreitungen gegen die Inden in Krakau, über die wir im vorigen Heft berichtet haben, veröffentlicht der erste Vorsteher der Krakauer israelitischen Kullusgomeinde Dr. S. Ti lies im „Israelitischen Familienülatt" (Nr. 20 vom 16. Mai) eine längere Darstellung. Da sie trotz den Anfeindungen, die Dm Tilles in einem Teil der jüdischen