Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Eine grobe Geschmacklosigkeit
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 260 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich versteht man bzlanmlxä) die grauenhaften Judeuhetzen, die im zaristische!? Rußland üblich gewesen sind und bei Lenen ungezählte Menschen, auch Greise, Frauen und Kinder, unter den entsetzlichsten Martern getötet wurden. Herr Plumhofs dürfte ein Verehrer des Dreschgraferr Pückler gewesen sein, der AehnLiches auch für Deutschland propagierte, und er verwendet jetzt Pücklersche Ideen zu Zwecken der GeschäfLsrekLame. Zürn Mindesten handelt es sich um eine grobe Geschmacklosigkeit." Den xMLbsuLschen Blättern" gibt Siegfried I a c o b [ o \ n in feiner „Schaubühne" einige niedliche Nasenstüber. Die Schriftleitung der „Alldeutschen Blätter" hatte erklärt, sie könne „Herrn Siegfried Jacoösohu wirklich nicht das Recht zuerkennensich um deutsche VoltsLNZelegercheiLeu zu kümmern; das möge er Männern überlassen, die nicht nur dem deutschen Staats- Äez. Reichsverbande angehören, sondern dem deutschen VoLkskörver". — Darauf antwortet Jacob söhn in der „Schaubühne" vom A3- Mai: Ich weiß mm zwar nicht, was bez. ist und will es beileibe niemals erfahren- Wer von einem christlichen Reichstagsab.qeordneten las ich kürzlich den Satz: „Nach unserer Ansicht bestimmt nicht die Abstammung oder die Religion, sondern die gesamte Kulturzugehorigkeit die Nationalität. Deshalb ist der deutsche Jude Deutscher, der französische Franzose, der englische Engländer." Und da den Deutschen jüdischer Konfession von keher erlaubt worden ist, für Deutschland zu sterben, so ist zu befürchten, daß sie bei Lebzeiten au dem Recht festhalteu werden, sich um deutsche' Volksangelegenheiten zu kümmern, selbst wenn die Alldeutschen in ihrem Veröandsorgan solches Recht ihnen „wirklich nicht" zuerkennen können. Diese unsere Hartnäckigkeit ist gewiß unerfreulich für die „Alldeutschen Blätter". Aber den Schmerz des Mißerfolges möge ihnen die Macht der Gewohnheit abstumpfen: das Meiste, was in Deutschland geschieht, geschieht ja, ohne daß sie es gutheißen —• oder warum krakeelt durch ihre Spalten diese ergreifende Dauerverzweiflung? —; und was sie ausnahmsweise einmal gutheißen, das erweist sich über kurz oder lang unfehlbar als schädlich für Deutschland. Der Alldeutsche Verband verdankt seine Existenz bekanntlich dem Kummer über die Heraabe Sansibars gegen Helgoland, und diese Stufe politischer Weisheit ist seinen Lenkern ein so wohnlicher Aufenthalt, daß sie sie nicht einmal um dis Welt, die sie erobern wollen, mit einer höheren vertauschen würden. Ich weiß zwar immer noch nicht, was bez. ist. Aber gesetzt, ich gehörte dem deutschen Staatsbez. Reichsverbande nicht zu und erwürbe die Zugehörigkeit nur, indem ich mich aus die Lehren der „Alldeutschen Blätter" vereidigen ließe: ich wäre imstande und bliebe für den Rest meines Daseins knoLlrruchduftend in meinem Ghetto derselbe Hosenknopf, als den diese Herrschaften Anno dazumal die Insel Helgoland gekennzeichnet haben. Ablösung Lee Feldrabbiner. Feldraobiner Br. Eradenwitz (Etappeninspektion 15) hat aus Reklamation seiner Gemeinde Tarnowitz ferne Abberufung erhärte??. Sein Nachfolger ist bereits ernannt: Rabbiner Br. Klein in Hirschberg. Bei der Not, in der sich die Gemeinden befinden, die nun teilweise im vierten Kriegsjahre ihre Rabbiner — es find jetzt 23 im Felde — entbehren müssen, liegt der Plan vor, daß diese allgemein durch andere Gemeinderabbiner aögelöst werden. Die Gemeinden sind aufgefordert worden, Feldraöbiner als Nachfolger vorzuschlagen. Noch eine Flucht aus Sibirien. Im Anschluß an unsere Mitteilung über die Flucht eines Berliner Juden aus Sibirien (AprilhefL unserer Zeitschrift) wird uns von Herrn Wilhelm Redlich, Kaufmann nt Berlin, mitgeteilt, daß auch sein Sohn, der Landsturmmann Martin Redlich, unter vielen Mühen und Gefahren aus Sibirien in die Heimat