Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Die jüdische Jugend und der Zionismus
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 253 (sequence 2)
- Language
- German
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Fanny von Arnstein m Zionismus, hie Antizionismus" kennt? Eine Generation wird herangezogen, die ihre Ideale in der Politik und nicht im Judentum selbst sucht. Soll den für jedes Ideal leicht empfänglichen jungen Leuten von Jugend an eine jübisch-pOlinsche Üeberzeugung eingeimpft werden? Ein derartiges Verfahren mutz auf ein junges Gemüt verwirrend wirken. Fürchten etwa die Zionisten ein Fiasko zu erleben, wenn die jungen Leute später als gereiste Menschen eine eigene jüdisch-politische Üeberzeugung sich beilegen? Ein Werdender wird immer dankbar sein, er nimmt willig, ohne nachzudenken, jede Lehre an und wird so leicht zum Fanatiker. Ein solches Geschlecht darf unter keinen Umständen heranwachsen. .Es ist deshalb das Gebot der Stunde, die jüdischen Jugendorganisationen zu einer judisch-politrsch-neutra!en Gemeinschaft zusamnrenzufaffen. Wenn diese Idee an dem Widerstand der Zionisten scheitert, dann laden sie eine schwere Verantwortung auf sich. Die Jugend will ihr Judentum selbst, die ureigenste Lehre, wie wir sie von den Vätern übernommen haben, kennen und lieben lernen. „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Die Jugend will ferner ihr Judentum gegen gegnerische Anschuldigungen zu verteidigen. lernen. Dazu gehört Wissen und ein unbefangenes Anteil, nicht parteipolitische Schlagwörter. Scheiden wir zwischen Religion, Glauben einerseits und Partei anderseits! Lassen wir unserer Jugend Religion und Glauben und überlasten wir den Männern und Frauen, sich mit jüdischer Politik zu beschäftigen. 'Die jüdische Jugend will eins sein und sich nicht untereinander bekämpfen. Sie liebt ihr Judentum und scheut sich nicht, gemeinsam den Kampf aufzunehmen gegen alles, was sie unterdrückt und sie nicht der nichtjüdischen Jugend gleichstellt. Vereint dorwärts, das sei unsere Losung! Sam-Unteroffizier Max Jechwabnich j. Zt. im Felde. Fanny von Arnstein. ■ Zur 100. Wiederkehr ihres Todestages (8. Juni 1818). Von Regina Reißer- Breslau. Zu der großen Gruppe hervorragender Frauen, die sich um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts durch begeisterte Vaterlandsliebe, tief religiöses Empfinden, umfassende Geistesbildung, ideale Herzensgüte, feinste LieSenswürdigkeit, weiblichen Reiz und geläutertes Verständnis für Kunst und Wissenschaft auszeichneten, und deren Namen eng verknüpft sind mit der Geschichte ihrer Zeit, zählt auch Fanny von Arnstein. Ihre Geburt fiel in jene Zeit, in der Moses Mendelssohn seine Mission, seine Glaubensgenossen in das deutsche Kulturleben einzusühren begonnen hatte. Ihr Vater, Bankier Daniel Jtzig in Berlin, der von Friedrich dem Großen zum Oberälresten aller jüdischen Gemeinden in Preußen ernannt worden war, hatte seinen zahlreichen Töchtern eine ausgezeichnete Erziehung angedeihen lassen. Die bedeutendste und gefeierteste, Fanny, geboren am 29. November 1757, war kaum zwanzigjährig, durch ihre Ber-