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Im deutschen Reich · 1918-05-01 · Heft 5 (Mai 1918) · p. 224

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 5 (Mai 1918)
Article
Aus der lustigen Ecke
Date
1918-05-01
Page
224 (sequence 2)
Language
German
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224 Im deutschen Reich wirft. Da sie aber das Monopol haben, „verbreiten" sie unsere deutschen Dichter und Denker in einer Auswahl und Fassung, mit der wir nicht einverstanden sein können . . . Da sie aber an unseren Großen trotzdem nicht vorübergehen können, machen sie auch sie Zu einem Gefchäftsartikel, nachdem sie sie in ein Prokrustesbett gezwängt und ihnen all das, was ihnen nicht in den Kram paßt, abgehackt haben. So ist es ihnen denn gelungen, unsere Dichter und Denker ihrer Zensur,zu unterstellen, und wir sehen die eigenartige Erscheinung, daß sie sogar aus einem Antisemiten wie Nietzsche einen Parteigänger für ihre Belange gemacht haben. Richard Wagner war in Not. Die „Mitbürger" witterten ein Geschäft, und nun gehen sie mit seinem Wechsel hausieren. Auch aus Hebbel, Grabbe, Schopenhauer haben sie „ihre Leut" gemacht. Wer verkörpert denn auf der deutschen Bühne die Helden d"r deutschen Dichter? Wer trägt in den deutschen Hochschulen die Lehren der deutschen Philosophen vor? Wer „kritisiert" die deutschen Bücher in „der" Presse? Wenn der hochachtenswerte Philosoph Pros. Cohen uns mit Kant bekannt machen will, so ist's ein jüdisch gedachter Kant, nicht unser deutscher, und Maimonides wird nicht zum Deutschen wenn ihn ein Deutscher uns mit ihm bekannt macht." Also Professor Cohens Kant ist ein jüdisch gedachter Kant. Man ist fast versucht, Herrn Wolf Grant einen Eid darüber zuzuschieben, ob er überhaupt jemals eines der Cohenschen Bücher in der Hand gehabt hat. Aber das ist wohl nicht notwendig, denn wenn jemand das, worüber er schreibt, einigermaßen kennen und verstehen sollte, käme er ja in Gefahr, ernst genommen zu werden. Das will kein Humorist. Frau Bertha Manheimer ist am 28. April in hohem Alter in Berlin gestorben. Sie hat ihren Gatten, Moritz Manheimer, der am 27. März 1916, 89 Jahre alt, entschlafen ist, nur um zwei Jahre überlebt. Das Ehepaar Manheimer hatte sich durch ungewöhnlich große Wohltätigkeit ausgezeichnet, und da fast alles^ was man von Moritz Manheimers Wirken auf diesem Gebiete zu berichten hat, auch von seiner Gattin gilt, möchten wir zum Gedenken der jetzt gestorbenen Frau aus dem Aufsatz, den Geheimrat Dr. Fuchs in den „Neuen jüdischen Monatsheften" (25. März 1917) über Moritz Manheimer geschrieben hat, einige besonders kennzeichnende Sätze wiedergeben: „Die Milliardäre Amerikas mögen mehr Geld für Zwecke des Wohltuns ausgegeben haben und ausgeben als Moritz Manheimer, der bei weitem nicht der reiche Mann war, für den man ihn hielt. Mehr Zeit, mehr Lebensbehagen, mehr körperliche Arbeit und Herzblut hat niemand gegeben als er. Bei ihm war das Geben nur das geringste feiner Opfer, nur ein Teil des Lebenswerks, das er mit seiner Gattin auf sich nahm. Vom frühen Morgen bis in den späten Abend war er tagein, tagaus mit seiner Frau tätig; er recherchierte selbst, sah selbst, daß alles nach dem Rechten ging; in seinen Anstalten, die' Hunderte beherbergten, kannte er jeden einzelnen und kümmerte er sich um ihn. Sein Reichtum war, wie Ferdufi sagt, eine wärmende Sonne. Wie andere sich zu Geburtstagen und Familienfesten Kunstwerke und Kleinodien schenken lassen, so ließ er sich Bettstiftungen in Krankenhäusern und Versorgungsanstalten schenken. Auf^dem Grunde seiner Abstammung entfalteten sich jüdische Eigenart und deutsches Wesen zum wahren Menschentum. Jüdisch war sein Herz, deutsch seine Methode. Als er jung war, dachte er der Alten und schuf Altersversorgungsheime. Als er gesund war, dachte er der Kranken und Siechen und schuf Krankenhäuser und Siechenheime. Als er alt wurde, gedachte er der Kinder und schuf Kindergenesungsheime und Kleinkinderbewahranstalten. Als die Tage. des Greisenalters nahten, da erschien ihm die Fürsorge für'die Säuglinge das

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