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Im deutschen Reich · 1918-05-01 · Heft 5 (Mai 1918) · p. 222

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 5 (Mai 1918)
Article
Strafantrag gegn die "Deutsche Zeitung"
Date
1918-05-01
Page
222 (sequence 2)
Language
German
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222 Im deutschen-Reich sprockien. Die „Deutschdölkischen Blätter" sehen aber in der Abwehr solcher schmutzigen Kanrpfesart etwas „Beschämendes"' Sie finden es bedauerlich, daß auch streng national gerichtete Zeitungen den Abwehtkampf milmachen, und sie sieht in diesen Vor* gängen, „welchen verderblichen Einfluß die alljüdische Richtung in unserem Volke bereits ausübt". Spotten ihrer selbst und setzen sich abseits auf die Strafbank, wohin sie allerdings auch gehören. Keine besonderen Maßnahmen gegen feindliche Ausländer jüdischen Glaubens. Auf eine „kleine Anfrage" des antisemitischen Reichstagsabgeordneten Dr. Werner -Gießen hat der Reichskanzler, in Vertretung von Waldow, unter dem 13. April folgendes geantwortet: „Es hat nicht festgestellt werden können, daß feindliche Ausländer jüdischen Stammes sich bei den Lebensmittelschiebungen im Osten oder den Streikhetzereien der letzten Zeit in bemerkenswerter Weise hervorgetan Hütten. Hiernach erscheinen besondere Maßnahmen gegen feindliche Ausländer jüdischen Stammes nicht erforderlich." Ein vielsagendes Testament. Der Kriegsfreiwillige G. Kr. aus Wromberg, der im Felde gefallen ist, hat in seinen! Testament vom 23. April 1617 dem Centralverein eine Spende vermacht und . hierzu folgendes geschrieben: „Vollkommen auf dem Boden des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens stehend, bestimme ich, daß die Summe von.diesem überwiesen wird; möge der Verein das sich gesteckte Ziel erreichen, um späteren Generationen die Leiden und Zurücksetzungen zu ersparen." Das Testament beginnt mit folgenden Ausführungen: „Das zweite Mal zog ich in den Krieg freiwillig hinaus, wenn ich auch als, Jude im ersten Teil desselben Zurücksetzungen und Kränkungen jeder Art über mich habe ergehen lassen mäßen, Nach unseres Kaisers Ausspruch sollte es ja keine 'rarieieu mehr geoen,nur noch Deutsche; doch da^uruajetzungen (,?) wie Anerkennungen mir bisher versagt blieben, kann ich das i ut auf das Konto meines Glaubens setzen. Ich habe trotzdem meine Pflicht dem Vaterlande gegenüber getan, und das ist mir ein stolzes Bewußtsein, das mich über all die kleinlichen, engherzigen Ansichten hinweghebt. Als deutscher Jude habe ich, soweit es in meiner Macht stand, das Vaterland verteidigt, wünsche ihm, daß es aus den Schrecknissen und Wirrfalen des Krieges als Sieger hervorgehe und endlich dazu übergehe, Manneswert nach Tat und Kraft, nicht nach dem Glauben festzustellen." Lebende, die ähnliche Erfahrungen machen sollten, müssen aus militärischen Gründen noch schweigen; so lassen wir die Stimme des Toten sprechen. KLNZelamifeMitisMUs mb Konsistorium. Pfarrer Kübel in Frankfurt a. M. hat in der Weihestimmung der Silvesternacht von der Kanzel der Weißfrauenkirche herab dem Sinne nach u. a. folgendes ausgeführt: „Der Erzbischof von Prag habe sich dagegen verwahrt, daß weitere Kirchenglocken zum Einschmelzen abgeliefert werden. Und warum tat er dies? Nicht etwa, weil der Vaterlandssinn abgenommen hätte, sondern weil die Glocken nach Budapest in die Fabrik gewandert seien und dort Kupfervitriol daraus hergestellt würde, an dessen weiterer Perwendung zum Einspritzen der Weinberge der Jude den Gewinn einstecke." Pfarrer Kübel erwiderte auf eine Anfrage des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, daß er es ablehne, seine Predigten irgendwie der Zensur des Vereins zu unterwerfen, und verwies an seine Vorgesetzte Behörde, das Königliche Konsistorium. Dieses stellte in einem Antwortschreiben fest, „daß der Genannte im Verlaufe seiner an die Gemeinde gerichteten Mahnungen allerdings eine ähnliche Aeußerung getan har, wie

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