Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1918-04-01 · Heft 4 (April 1918) · p. 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 4 (April 1918)
Article
Die jüdischen Kameraden
Date
1918-04-01
Page
175 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2316602-2316876-2316880-2353910--28539-2353992
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vermischtes 175 Peffach- und Sederseie? versammelt. llnier Leitung des Ariueeravbiuers Do. Gradenwitz nahmen die beiden in de? Fremde abgehaltenen S^-derabende einen erhebenden Verlauf. Der Vorwurf der DrückrÄergerei wurde in einem anonymen Schreiben an das Stellvertretende Generalkommando in Konigsderb i./Pr. dem in einem kleinen Ort Ostpreußens wohnhastsn jüdischen Vrehhändler^S. gemacht. In dem anonymen Schreiben hieß es., daß S. „noch immer sich um den Heeresdienst herumdrücke wie viele andere Juden, Abhilfe wäre dringend erforderlich." Herrn S. gelang es, den Absender des Schreibens' in der Person des früheren Rittergutsbesitzers H. zu ermitteln. Er strengte gegen ihn Privatklage wegen Beleidigung an. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei, weil jene anonyme Eingabe nicht gemacht worden fei, um den PrivaMäger Zu beleidigen, sondern Zu dem Zweck, daß die Zuständige Stelle, das Generalkommando, die Angelegenheit prüfe. Auch tn dem Ausdruck »wie viele andere Juden" hatte das Schöffengericht eine Beleidigung nicht finden können Herr S. legte gegen dieses freisprechende Urteil Berufung ein. Der Beklagte Zog es vor, sich in Zweiter Instanz Zu vergleichen; er nahm die Beleidigung zurück, übernahm sämtliche Kosten und Zahlte eine Sühnesumme an das Rote Kreuz. Wie wir noch hinzusügen mochten, war die tapfere - Anzeige des anüfemirifcheN früheren Rittergutsbesitzers völlig unberechtigt. Nur gegen Lebensmittel. Frau W., der Gattin eines Berliner Mitgliedes unseres Vereins, wurde auf Veranlassung einer christlichen Familie eine Blusen schneiderin in der Blumenstrüße empfohlen. Als Frau W. der Schneiderin eine Bluse zur Anfertigung brachte, wurde sie zunächst gefragt, was sie an Lebensmitteln für die Anfertigung geben könne. Als Frau W. der Schneiderin wahrheitsgemäß erklärte, daß sie selber mit dem auskommen müßte, was ihr amtlich zugeteilt sei, erwiderte die Blusenschneiderin: „Für Juden arbeite ich überhaupt n i ch t." — Die Schneiderin , hat erstens die Unwahrheit gesprochen, denn sie war ja bereit, die Bluse für eine Jüdin anzufertigen, falls sie Lebensmittel erhielt, sie hat Zweitens ihre an.risemttnche Gesinnung verschönert durch die Aufforderung Zur verbotswidrigen Lieferung von LebenZmitteln. Auch hier wieder ein Zusammentreffen von Antisemitismus und mangelnder Moral. Emen antisewiLischen Vorftotz übler ' Art hat ein Scmitäisrctt Br, Hertzog in der Schw§idnttzer Stadtverordneten-Versammlung vom 28, Februar unternommen. Er wandte sich gegen die Magistratsforderung, die au? d 46 des Volksschulunterhaltun.Asgesetzes begründete Vergütung an den jüdischen Prediger für die Erteilung des Religionsunterrichts von 249 Mark auf 440 Mark $u erhöhen. Es kam Herrn Br. Hertzog sicherlich nicht auf die, übrigens jederzeit widerrufliche Erhöhung um 299 Mark an, sondern daraus, nach dem Vorbild der Antisemiten an anderen Orten, in das friedliche Schweidnitz burgunfriedliche Hetze zu tragen. Er verflieg sich zu der Frage, was die Stadt für ein Interesse daran habe, oö dis jüdischen Bewohner ihre Kinder in ihrer Religion weiter unterrichten können! Er verflieg sich, nach dem Bericht der „Schweidnitzer Ztg." vorn 2. März 1918, zu der Bemerkung, daß das doch nur dort der Fall sein rönne, „idd die ganze Stadt verludet sei, was Gott sei Dank hier noch nicht der Fall sei". Ja, der Redner sprach sogar von fauliger Ethik und Moral des Judentums, und wiederholte die alberne antisemitische Verleumdung, daß die „jetzigen umstürzlerischen Elemente alles Inder?' seien, woraus er die Schlußfolgerung zog, daß ein großes Interesse, vorliegs, alles zu verhindern, was jene Moral weiter ausdehnen könne.—Ergo’ifi der Unterricht in jüdische? Religion, der Mutter der christlichen Religion,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.