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Im deutschen Reich · 1918-04-01 · Heft 4 (April 1918) · p. 169

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 4 (April 1918)
Article
Auch ein Tapferer von Le Bourget
Date
1918-04-01
Page
169 (sequence 4)
Language
German
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Auch ein Taps er er von Le Bourget 169 zu Löeröriugen. So sah ich, au einem Hause in der Hauptstraße vorübereilend, ein Bild vor mir, das meine Schritte hemmte. In dem Torwege kniete ein Füsilier, der nach einem Fenster des gegenüberstehenden HauseS schoß, während ein hinter demselben stehender französischer Mobilgardist ihm sein geladenes Ehassepotgewehr bereit hielt, tzinzutretend erkannte ich Karfunkelstein, der jetzt nach dem Gewehr des Franzosen griff und ihm das [einige hinreichte. „Was machen Sie denn, Karfunkelstein?" rief ich erstaunt. „Herr Leutnant," erwiderte er lachend, „ich habe mir einen Büchsenspanner eingefangen, der muß immer laden, und ich schieße mit zwei Gewehren wie auf der Hasenjagd." Und krachend ging sein Schuß durch ein anderes Fenster, aus dem die Glasscherben klirrend berabfieleu. Weiter eilend, rief ich ihm noch zu: „Nehmen Sie sich vor Ihrem Büchsenspanner in acht!" und hörte noch seine Antwort: „Der Kerl ist ganz zahm!" Innerlich aber sagte ich mir: Er ist doch ein Prachtkerl, mein Freund Karfunkelstein. Stundenlang noch währte der Kamps, bei dem acht Offiziere, unter ihnen der hochverehrte Regimentskommandeur, und hundert Mann des Regiments Elisabeth tot auf dem Platze blieben, bis der Feind nach schweren Verlusten und unter Zurücklassung von dreißig Offizieren und 1200 Mann Gefangener aus dem Dorfe vertrieben war. — Ich hatte den Auftrag, den Abtransport der Gefangenen Zu regeln, und ging durch daZ Dorf zurück. Nus derselben Straße, auf der ich gekommen, die jetzt mit Toten und Verwundeten bedeckt war. Dort stand das Haus, an dem ich Karfunkelstein getroffen, und da lag auch ein Toter. Ich trat hinzu, e s w a r K a t f u n f e I fi e i n! Er lag au? dem Rücken, eine Kugel, die ihn in die Brust getroffen, hatte eine Spitze seines Eisernen Kreuzes mit fortgerissen, sein Blut hatte das schwarzweiße Band rot gefärbt. Sein Antlitz hatte einen friedlichen Ausdruck. Ich mußte an die letzten Worte denken, die er mir zugerufen hatte: „Der Kerl ist ganz zahm." Jetzt war auch er ganz zahm, der fröhliche, tapfere Soldat. Ich löste ihm das Kreuz von der Brust und verwahrte es, um es seinen Angehörigen zrrstellen zu können. Am 2. Juni 1871 wurde das Regiment Elisabeth auf die Eisenbahn verladen und erreichte nach viertägiger ermüdender Fahrt am. 6. Juni Jüterbog. Als ich am Nachmittag durch die Straßen eines benachbarten Dorfes wandelte, erblickte ich einen kleinen Laden und auf einem Schilde las ich den Namen I. Karfunkelstein. Ich trat in den Laden ein und sah ein schönes jüdisches Mädchen in Trauerkleidung hinter dem kleinen Ladentische stehen. Auf meine Frage, ob sie mit einem vor Paris gefallenen Füsilier Karfunkelstein verwandt sei, brach sie in Tränen aus und sagte: „Ach, es war mein einziger Bruder!" Nun erzählte ich ihr viel von den Erlebnissen des Bruders, und wie er sich die Achtung seiner Vorgesetzten und Kameraden' erworben, und wie er den Heldentod gestorben sei. Ich hatte inzwischen das Eiserne Kreuz Karfunkelsteins holen lassen, das ich feiner Schwester übergab. Dann verabschiedete ich mich und überließ das tiefbewegte Mädchen seinen schmerzlichen Erinnerungen. Es ist keine erdachte Novelle, sondern eine wahrheitsgetreue Schilderung des Erlebten,die ich hier nach den Aufzeichnungen in meinem Kriegstagebuchs gegeben habe und ein bescheidenes Denkmal für einen tapferen Soldaten, deffen Name und Taten auch in der Geschichte des ruhmreichen Regiments Königin Elisabeth rühmend verzeichnet sind. Generalmajor z. D. A. v. W r s ch e m.

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