Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- Auch ein Tapferer von Le Bourget
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 167 (sequence 2)
- Language
- German
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Auch du Tapferer von Sc Bourget 167 imb flehte mit drehten ixt berr Augen, ich möchte ihm die Erlaubnis verschaffen, mit der Kompagnie ins Feld zu ziehen. „Ich war ein schlechter Soldat in der Garnison," sagte er, „aber nun will ich zeigen, daß ich ein guter Feldsoldat bin; erbarmen Sie sich meiner, Herr Leutnant, ich möchte alles wieder gutmacken." Ich erbarmte mich seiner, und es gelang mir, den Kompagniechef dazu zu überreden, den Füsilier Karfunkelstein der mobilen Kompagnie zuzuteilen. So zog er glückstrahlend mit dem Regiment über den Rhein, durch die schöne Pfalz, dem Feinde entgegen. Aber seine Plattfüße waren den Anforderungen, die die anstrengenden Märsche an sie stellten, nicht gewachsen, und trotz des besten Willens brach er stets nach kurzer Zeit zusammen und wartete dann am Straßenrande aus Hilfe, dis ihm kommen sollte. Diese Hilfe aber fand er stets bei einem der der Kolonne folgenden Marketenderwagen, auf den er hinaufkletterke. Au? diese Weise erreichte er seine Kompagnie stets wieder im Marschquartier oder im Biwak. Daß Karfunkelstein für diese geniale Art, die Anstrengungen der Märsche zu überwinde?:, von seinen Kameraden verhöhnt und verspottet, gelegentlich wohl auch verprügelt wurde, war ihm gleichgültig, denn er erreichte damit stets seinen Zweck, bei der Kompagnie zu bleiben. Vom Morgen des 18. August au hörten wir Kanonendonner aus der Richtung von Metz, der, immer lauter und drohender hörbaruns die Gewißheit gab, daß wir de?: Feind unmittelbar vor uns hatten. Mit Anstrengung aller Kräfte wurde marschiert, kein Halt wurde erlaubt, und immer wieder trieben die Befehlshaber zu nach größerer Eile tm, aber immer blieb der Kanonendonner in unserer rechten Flanke. Es war die große Umgehung, die das Garde-Korps ausführte, um der: rechten Flügel der Armee des Marschalls Bazaine zu umfassen, und die Marschrichtung ging auf Amanvilliers—St. Privat. Erst am Nachmittag konnte das Garde-Korps rechts einschwenken, um dem Feinde Me Stirn zu bieten. Das Regiment Elisabeth marschierte auf dem rechten Flügel. Nun vorwärts, durch das Bois de la Cusse bis an den Waldrand, begrüßt von den ersten Kugeln des noch unsichtbaren Feindes, der in tiefen Schützengräben vor uns lag und dessen Feuer wir noch nicht erwidern konnten, da unser Zündnadelgewehr nicht so weit trug, wie der Chasteyot. Eine schlimme Lage für den Soldaten! Wer erst mußten wir Atem schöpfen, ehe wir aus dem Walde heraustreten konnten. Jetzt gedachte ich plötzlich meines Freundes Karfunkelstein. Er war nicht da, jetzt, wo es Lorbeeren zu Pflücken gab. Sollte er doch der Lump sein, für den ihn seine Kameraden hielten? Aber er konnte ja nicht hier sein, denn marschieren konnte er nicht, und alle Wagen des Regiments waren ja schon vor Stunden zurückgelassen worden, also hatte er auch nicht fahren können. Ich lag hinter der Mitte meines Zuges, dicht an der Schützenkette. Da klingt eine Helle Stimme an mein Ohr: „Herr Leutnant, ich melde mich zur Stelle!" Ich wende mich um und sehe meinen Freund Karfunkelstein schweißtriefend und glückstrahlend vor mir stehen. „Wer Mensch, wie kommen Sie denn hierher?" schreie ich ihm ins Ohr. „Bis vor einer halben Stunde bin ich auf dein Medizinkarren gefahren, dann habe ich mir die Schlacht erklären lassen und bin hierhergehumpelt." „Bravo, Karfunkelstein, aber nun los, Visier vierhundert, auf die Kopfe halten!" Ich will den weiteren Gang der Schlacht hier nicht schildern, nur soviel darf ich sagen, daß Karfunkelstein sich durch seine Kaltblütigkeit und seinen Mut auszeichnete, daß er m den schwierigsten 'Augenblicken des Gefechtes seine Kameraden auf--