Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1918)
- Article
- Was einigt die Konfessionen? [Rezension]
- Date
- 1918-02-01
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
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Vücherschaü- 93 Bildung versagt aber hier tu der Kiteratur der Zeitschriften, wie irr der Tagesprcfse. An die Stelle btt WissenschaftlichkeiL ist „geistreiche Schwärmerei" (man beobachte den rneist unaufrichtigen Hang zur Mystik und Born-antik), an Stelle von Logik und Systematik die Intuition (Formel: Kant contra Vergson) getreten, und wo die Schwärmerei der Wissenschaftlichkeit entgegengestellt nutz gepriesen wird, da rnutz dem geistigen Notstände auch der sittliche entsprechen. An ' Leibniz und Kant, an die Aufklärung und ähr sittliches Kriterium, die Toleranz, will Cohen wieder angeknüpft wissen, und' er weist zur Unterrichtung über die positiven Momente dieser beiden Begriffe auf zwei herrliche, leider gänzlichj unbekannte Schriften hin, in denen sie zu einem weithin tragenden, literarischen Einfluß gekommen sind: auf des deutschen Kardinals! Nikolaus von Kues „Von der Einheit des Glaubens" (zuletzt aufgelegt 1787 in der von Semler angeregten Aeichardschen Üebertragung) und auf Des Jean Bodin „Heptaplomeres" (herausgegeben von G. E. Guhrauer, 1841). Das geschichtliche Moment bildet das eigentliche Ferment der. Aufklärung. Es lehrt, daß die Religionen allesamt dem Kulturgesetze der Entwicklung unterliegen, daß Wechselwirkung Lei ihnen, wie unter .allen Erscheinungsformen der geistig-sittlichen Kultur, anerkannt werden muß, sie schweben und atmen in einem beständigen Flusse, in dem die Wechselwirkung sie hineintreibt, der sie unterworfen sind. „Diese Grundkraft der Wechselwirkung erst gibt der Entwicklung ihren eigentlichen Inhalt, und erst durch diese Erkenntnis der Wechselwirkung, als des geschichtlichen Bandes der Religionen, wird die Aufklärung zu einer geschichtlichen Grunderkenntnis, und ihr Produkt, die Toleranz, zu einer ethischen Grund kraft/' Ms das wundersamste Beispiel der Wechselwirkung steht die Tatsache da, daß. der neue Humanismus, der Seist unserer Klassik, auf dieuralten Wurzeln des Messianismus zurückgehK „Diese Verschmelzung dürfte aber die Bedeutung eines Vorbildes! und Vorzeichens für die religiöse Verständigung auch in unserer Zeit in sich tragen." Die wahrhafte, die philosophische Aufklärung, wie sie in Deutschland beheimatet ist, weist also den Weg zur religiösen Verständigung, und ein feder kann dazu beitragen, wenn er fein Ich von der Selbstsucht losreist und in dem anderen erkennt, und so nach dem Wort von Hillel handelt: Liebe deinen Anderen, und du bezeugst!, baß du Sott liebst, Or. G.^ ., Die Emanzipation bet Gstruöen und ihr Srnflrrtz auf die A)estjnben. Von Lazarus Friedman n. 54 Seiten, Preis 1,20 M, Kommissions-Verlag von I. Kaufmann, Frankfurt a. M. Aeber das Ostjudenproblem ist in den letzten zwei Jahren eine mächtige Zahl von Schriften veröffentlicht worden. Aur sehr selten hörte man aber eine öffentliche Aeußerung eines Ostjrrden über das eigene künftige Geschick. Dieser Am stand hatte zur Folge, daß in den Publikationen jüdischer wie nichtjüdischer Autoren sich mehr oder minder eine gewisse Anvertrautheit mir den östlichen Verhältnissen bemerkbar macht. Aus diesem Grunde schon verdient eine eben erschienene Schrift eines Ostjuden besondere Beachtung.- Der Verfasser kennt das West- und das Ostjudentum aus eigener Anschauung in seinen Vor- und Nachteilen. Zunächst schildert Friedmann in packender Weise das ostjüdische Leben und seine Ideale. Wir vernehmen da den gesunden und kräftigen Pulssch-lag . des ewigen Judentums. Verfasser tritt sodann einem weit verbreiteten Irrtum entgegen. Viele Kreise halten nämlich, beirrt