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Im deutschen Reich · 1918-02-01 · Heft 2 (Februar 1918) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 2 (Februar 1918)
Article
Antisemitische Vorstöße im hessischen Landtag
Date
1918-02-01
Page
78 (sequence 2)
Language
German
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78 Im DmWM. KeWerwiderte, bas sei etwas urnstandliK vre Negierung solle von den SchlachLHöfen irr Hessen die Nachweise ernfordern. irr andern deutschen Bundesstaaten wurde ja von agrarischer Seite nicht nur über die starke Äbschlachtung des Viehs, sondern auch darüber geklagt, daß. trächtige Ninder geholt wurden. Daß Ln Hessen die Viehkoanmiffionare int wesentlichen Juden sindhat seinen natürlichen Grund darin, daß dort seit langem der Vieh Handel hauptsächlich in den Händen der Juden liegt. Andererseits aber ist bekannt, daß in anderen Bundesstaaten auch die christlichen .Vieh« kommrssionare unter hem Zwang der Verhältnisse trächtiges Vieh znmj Schlachten geholt haben, und daß auch sie reklamiert jrnd. Von dem antisemitischen Vorstoß bleibt somit nur ein flagranter Bruchdes Burgfriedens übrig, in einer Landtagssitzungin der — das vervollständigt das Bild — lebhafte Klagen über die teuren Kartoffelpreise und über die Anreizpolitik der Landwirte erhoben worben sind. Ferner brachte der Aö§. Dorsch einen Fall vorwonach das Militär-Ersatzmagazin in Frankfurt a. M. ein Angebot der christlichen Spiritus-Interessenten in Gießen auf Lieferung von 65 009 Liter Kürnmelörcmntwein abgelehnt habe unter Hinweis auf Wagen- Mangel und Kohlenersparnis bei der Eisenbahn; aber zugleich habe eine jüdische Firma in Gießen einen Auftrag von 150 009 Litern Branntwein erhalten, deren beide Inhaber wegen HeereslieferunZ dauernd vom Heeresdienste befreit fein; jene 150 000 Liter seien ebenfalls von einer jüdischen Firma geliefert worden. Wenn bas so weiter gehe, dann werde nach Beendigung des Krieges der größte Teil der Milliarden, „die wir aufgebracht habend in Iudenhänden sein. Dieser Angriff richtet sich ja weniger gegen die Juden als gegen die Militärbehörde, und die hessische Negierung hat Untersuchung der Angelegenheit versprochen. Abg. Adelung hat jedoch Herrn Dorsch in jener Sitzung erwidert, wenn Herr D. in den Kreisen! Ämfchau halte, die ihm nahesteherr, dann werde er „in bezug auf den Milliardensegen -auch seine Beobachtungen machen können"; vielleicht werde er dann auch Aufklärung über die Zahl der Befreiungen vom Militärdienst, die dort erfolgten, erhalten können- Darauf trat Herr Dorsch einen kleinen Nückzug an und sagte wörtlich: „Ich gebe gern zu, daß auch Christen befreit sind, um mich Nicht in den Geruchzu setzen, daß ich nur gegen die Juden: borg ehe." Also auch hier ein ebenso rücksichtsloser wie einseitiger antisemitischer Vorstoß, der, wie schon angedeuLeL wurde, einen" besonderen Beigeschmack dadurch erhielt, daß in derselben Sitzung den Landwirten vorgerechnet wurde, welche ungeheuren Gewinne sie mit den Lebens- Knitteln gemacht haben. Wir haben diesen Fall etwas näher beleuchtet, nicht weil er 'etwa interessanter ist als viele andere, — wir glauben auch kaum, daß Abg. Bähr irgendwelche Bedeutung in Hessen hat — sondern weil wir hier im Kleinen ein Spiegelbild dessen haben, was im Großen so häufig zu beobachten ist. Bon den Kriegsgewinnlern, zu denen ja nicht nur die Schwerindustrie gehört, von allen, die kein reines Gewissen haben, wird krampfhaft versucht, Schläge gegen die Juden zu führen, um die Aufmerksamkeit abzulenken. In den Parlamenten treten sie noch einigermaßen zahm auf, weil ihnen auf der Stelle mit unangenehmen Enthüllungen geantwortet werden kann, sie treten sogar Nückzüge an, aber draußen in der Presse, in Versammlungen, in her Hausagitation wird Haß gegen die Juden als Verteurer und KrH.ckeberger geschürw And sind hoch selbst dev Sünde bloß,- ' ~ ' Schtz K

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