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Im deutschen Reich · 1918-02-01 · Heft 2 (Februar 1918) · p. 72

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 2 (Februar 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-02-01
Page
72 (sequence 2)
Language
German
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Die Kriegsnöte verbieten ein Lautes Feiern. Ansere Brüder unb Söhne stehen tu vorderster Reihe, hinter den Fronten? herrscht Trauer um Kriegsopfer, herrscht Kampf gegen Not, .werden die Zähne zusmnmengepreßt, um durchzuhalten, bis ein ehrenvoller Friede errungen und erzwungen wird. Auch, keinen inneren Grund. Der Kaiser kennt keine Parteien mehr, er kennt nur Deutsche. Aber des Kaisers Gerechtigkeits- und Menschlichkeitswort ist verhallt, der Burgfrieden wird mißachtet, das Toben vonRassehetzern ist fast so Laut wie das Toben von Deutschlands Gegnern an den SchlachtfronLen. Innere Feinde zerstören die Einheit, die die heilige Rot des Krieges geschaffen hatte und die notwendig ist in dem gigantischen Kampfe Deutschlands gegen eine nie erhörte Ileb erwacht. Wie so oft, erweist sich der Antisemitismus als die rohe Gesinnung Von Leuten, denen es nicht um das Wohl des Vaterlandes zu tun ist, denen sogar eine Zeit, in der alle Parteien; und Konfessionen in den Schützengräben Tod, Verwundung und Drangsale erleiden, nicht dazu verhilft, zum mindesten' achtungsvolles Schweigen zu wahren. Es ist, als wenn ineinen erhebenden Gottesdienst angesichts ringsum drohender Gefahren ein seelisch Verwachsener Beschimpfungen hineinschreit, Andeutsche, prahlerische Deutschtümler arbeiten an der Vergiftung der deutschen Seele, an der Erdrosselung des Gerechtigkeitssinns, an der Vergewaltigung der Menschlichkeit, um Haß und Abscheu gegen die jüdischen Mitbürger zu züchten. Zu sthnen gesellen sich die Antisemiten alter Schule, deren edle Vertreter Ahlwardt, Graf Pückler und andere noch in häßlicher Erinnerung stehen. Die Schar der Judenfeinde wächst, weil die Schar derjenigen .wachstdie den Zorn des Volkes zu Wrchten haben. Die fünfundzwanzig Fahre des Centralvererns waren Fahre des Kampfes. Auch die folgenden werden es sein. Kampf macht nicht nnfroh. Ein heiliger Kampf erzeugt Frohsinn, strahlende Augen, macht auch die Seele jubelnd. Kampf aber gegen solche Gesellen weckt jene Gefühle, die Friedrich, der Große hatte, als er von feinem Lager aus die Panduren sah. Es ist eine Beschäftigung mit Ansauberem, mit Kleinlichem, mit Niedrigem, die Widerwillen und Anfrende hervorruft. Darum ist kein Anlaß zum Jubel, darum gibt das 23-Fcchr-IubiläuM nur den Anlaß, auf die zurückgelegte Straße prüfend und wägend zurückzublicken, vielleicht mit Befriedigung auf Erzwungenes zu schauen, in erster Linie aber zu geloben, den Kampf, den leider notwendigen Kampf fortzusetzen, ein Mahner, Führer und Anwalt zu sein, ein Hort der Bedrängten, für die Gegner ein Gegenstand der Anfeindung. Nichts ehrt den C-entralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mehr als der Haß und die Begeiferung durch Personen, die

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