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Im deutschen Reich · 1918-01-01 · Heft 1 (Januar 1918) · p. 38

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 1 (Januar 1918)
Article
Der erste Jude als Hamburger Senatskandidat
Date
1918-01-01
Page
38 (sequence 2)
Language
German
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Im Deutschen Reichs von drei Stimmen für Herrn Wiesinger, ein Mitglied dev Fraktion der Linken, entschieden.!Das Stimmenverhältnis war 63 zu 60. Auf Herrn ^Marburg entfiel also eine sehr starke Minderheit, die um so höher zn bewerten ist, als dieser fast bis zuletzt gebeten hatte, von seiner Wahl abzusehen. Das Wesentliche an diesem Vorgang ist aber weniger der Ausfall, der Wahl als die Tatsache, daß der Senat zum ersten Male einen Israeliten, noch dazu eine Persönlichkeit, die als überzeugungstreuer Jude tätig ist und als solcher in. verschiedenen jüdischen Organisationen eifrig wirkt, zur engeren Wahl stellte. Ms früher einmal die Absicht bestand, einen Juden, den 1895 gestorbenen Dr. Isaac Wolffso hn zum Senator zu wählen, mutete man ihm' zu, «sich vorher taufen zu lassen. Wolffsohn, der von 1871—1881 nationaliberaler Reichstagsaö geordneter war, hatte dieses Anfinnen charaktervoll abgelehnL. ck ZeituNgsstimmeuL Taufen als Lösung der Fudenfrage. Herr Curt von Trützschler-Falkenstein hat den verblüffenden Vorschlag gemacht, eine Lösung der Iudenfrage dadurch herbeizuführen. daß die Juden sich einer Massentaufe unterziehen. Dem Vorschlag ist Walter A a t h e n a n in einem Aufsatz, der unter dem Titel „Streitschrift vom Glauben^ im Verlage von S. Fischer in Berlin erschienen ist, entgegengetreten. Hierzu äußert sich Fritz Harold Cohn in der „Schaubühne" vom 20* Dezember 1917 u. a. folgendermaßen: Ist denn die Iudenfrage überhaupt ein Streit um den Glauben? Aathen.au selbst hält sie nicht dafür, sonst würde er nicht ihre soziale. und politische Seite betonen. Er stellt den christlichen Dogmen den dogmenfreien Monotheismmus des Judentums gegenüber und erkennt diesem nicht nur 'ExistenzHerechLigung zu, sondern kommt zu dem Ergebnis, daß mit der Religiosität des modernen Menschen nur noch der jüdische Glaube sich vereinen lasse. And mit dieser innerlichen Gleichberechtigung fertigt er Trützschlers Vekehrungsversuche ab. So überzeugend und gelehrt RaLhenaus Antithese der Religionen ist: an der Fudenfrage schießt diese Beweisführung völlig vorbei. Denn wenn sie falsch wäre: wer darf einem Staatsbürger seinen Glauben deshalb nehmen, weil er keine DaseinsberechLigung mehr hat? Der Grundsatz der Gewissensfreiheit hebt ja gerade die Aeuzeit vom Mittelalter ab. And weiter: würde die IudLnfeindschaft etwa verschwinden, wenn sämtliche deutsche Christen zum Judentum oder alle deutschen Juden zum Christentum Überträgen? Die Fudenfrage ist überhaupt keine religiöse Frage, nicht ,einmal nebenbei, unb wer die Iudenbekehrung fordert, tut dies im Anverstand oder aus Herrschsucht. Ihn durch einen theologischen Eventualbeweis schlagen, heißt: die Klarheit des Problems durch Hineintragen unerheblicher Momente trüben und seine Lösung verzögern. Dem deutschen Juden kann nur der Hinweis auf die wahren Kernpunkte der Iudenfrage nützen. Diese liegen aber, wie auch Rathenau sehr wohl , weiß — fern! Aufsatz: ,Staat und Judentum" tut es -dar — nicht im Religiösen, sondern in dem unseligen Irrbegriff der Rasse, der selbst feine Geister aller Rest-

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