Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1918)
- Article
- Alldeutsch und Wotanskult
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 36 (sequence 2)
- Language
- German
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36 Im Deutschen Aeich'.- „vicr wackere deutsche Männer" — uni dem deutschen Volk 9Z Thesen zu schenken, -die unter dem Titel „D e uLschchr ist en* tum auf c ö a rt g e 11 sdy er Grundlag e" erschienen sind. Die achte These lautet: „Line innigere Verbindung zwischen Deutschtum und Christentum ist nur zu erreichen, wenn dieses aus der un* natu r l x ch e n B e r & i n b u it g gdo st wird, in der es nach bloßem Herkommen mit der jüdischen Religion steht." In der 21. These heißt es: „Fe größer die Bedeutung ist, die das Alte Testament für ein Volk hat, mag dieses äußerlich auch der Christenheit angehören, desto weiter -ist -das! Volk innerlich entferntvon dem eigentlichen Christentum. Hierfür ist das beste Beispiel das englische Voll." Mit anderen Worten: Da die Antisemiten die Juden am liebsten aus deich deutschen Volke ausmerzen wollten, wollen sie auch die Mutter der christlichen Religion, die schon vor Jesus das Gebot der Nächstenliebe gepredigt hat, verbannen. Die vier Männer gehen allerdings davon aus, daß „echtes Christentum und reines Deutschtum nicht durch die altgermanische Religion ersetzt" werden können, aber von ihrem Boden aus ist cs nur noch ein kleiner Schritt zu dem deutschen Wotanskult. , Völkisch-gesinnte" tzeiraLsgesnche — uu 6 andere. Der „H a m üt e r“ die HalömonaLsschrist des Antisemiten Th. Fritsch ist neulich über die Heiratsanzeigen eines fortschrittlichen Blattes Mit 'sittlicher Entrüstung herges-allen. Darauf hat dann ein fürwitziger Leser den Herausgeber darauf -aufmerksam gemacht, daß dochauch seine Zeitschrift selber Heiratsanzeigen aufnehme. Worauf Th. Fritsch wörtlich erklärte: „Wenn in einer gewissen Presse eine fast marktmäßige Ausbietung erfolgt mit der offenen ausgesprochenen Absicht, lediglich m ater teile Vorteile durch eine Ehe zu erzielen, wenn es sich also um elende Spekulations- und Geldheiraten handelt, so ist dies gewiß verwerflich... Es kann aber auch ganz andere Beweggründe geben. Wenn gut völkisch-gesinnte junge Leute, denen es für eine eheliche Verbindung hauptsächlich auf die Gesinnung und gut völkische Art ankommt, in ihrer Umgebung das Gesuchte nicht finden so ist es wohl verständlich, wenn sie in weiteren gleichgesinnten Kreisen nach Anknüpfungen suchen. Es handelt sich ln!solchen Fällen um „G e sinn ungsheir at en“ und n ichL um „G e l d h e i ra L e n "; in manchen Fällen sogar um eine eheliche Wahl nach r a s s i f ch er A u s l e s e; und wir wüßten wirklich nicht, was an solchen Bemühungen Verächtliches fein sollte. Wan lerne also solche Gesuche in richtiger Werse einschätzen." Die „freisinnige Zeitung" macht gegenüber dieser anklagenden Unterscheidung auf den bezeichnenden Umstand aufmerksam, daß in derselben Rümmer des „Hammer" eine Anzeige - befindet, in der ein Kaufmann ein „echt deutsches Mädchen" wünscht und vorsichtig hinzusetzt- „nicht unvermögend"; und daß in der vorhergehenden Rümmer ein Heiratsgesuch abgedruckt ist, in dem ein „Hammer"-Leser Briefwechsel mit „großem blonden Mädel" Zwecks späterer Verheiratung, aber hinzufügt: „Vermögen er w ü n s ch t." ^— Das nennt man dann völkische Gesinnungsheiraten. Der -Aestor bet riöörschen Literatur, S. I. Abramowitz Sut W e n d e l e M o ch e r S f o r t m (Mendele, der Vücherer) ist in 'Odessa im Ältest von 81 Jahren gestorben. Abramowitz, geboren 1836 in Kapulo (Gouvernement Minsk), gilt als Vater und talentvollster Vertreter der modernen jüdischen Belletristik in neuhebräischer und jiddischer Sprache. In seinen Romanen „Das kleine Menschele" (1865), „Die Taxe" (1869) und ,,Die Kl ja ts che" (1873) behandelt er das Ghettoleben. Den Höhepunkt feiner künstlerischen Leise erreichte er in den letzten Jahrzehnten seines