Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1918)
- Article
- Wieder ein deutschfeindlicher Jude!
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 23 (sequence 1)
- Language
- German
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Wiede? ein d sutschfeindlich er Jude« LZ Wieder ein deutschfeindlicher Jude! Die Kreuzzeitung hat ihn entdeckt und erzählt von dessen Treiben in einem Artikel von Or. A. v. Wilke (Nr. 653 vom 25. Dezember 1917). Es ist Baron Arthur Mohrenheim. Ist er etwa in Deutschland geboren, daß er deutschtreu sein müßte? Nein. Was tut er während des Krieges? Nichts. Er ist schon 1906 gestorben. Welches Verbrechen hatte dieser „Jude" begangen? Keines. Er war als Enkel eines Wiener Arztes 1826 in Rußland geboren, war frühzeitig in den russischen diplomatischen Dienst getreten, hatte sich — wir folgen hier den Angaben des Herrn von Wilke selber — 1858 mit dem Hoffräulein Luise Freiin von Korsf, einer Tochter des russischen Generals der Artillerie von Korff vermählt, wodurch er mit dem russischen Hochadel in verwandtschaftliche Beziehungen kam, während er mütterlicherseits dem polnischen Adel als Enkel des Grafen Thadäus Mostowski, der zweimal polnischer Minister gewesen war, nahestand. Dieser kernechte „Jude" war von 1884- bis 1899 russischer Botschafter in Paris und unter ihm kam es zu der Annäherung zwischen Frankreich und Rußland. Folglich gehört auch Mohrenheim mit zu den Urhebern des jetzigen Krieges. Baron Mohrenheim als geborener Russe, mit dem russischen Hochadel verknüpft, in hohem verantwortungsvollen russischen Dienst stehend, erfüllte lediglich seine Pflicht, wenn er die Interessen seines Landes nach Kräften vertrat. Gerade die Antisemiten sollten aus 'solchen Vorfällen folgern, daß die „Internationalität" der Juden nichts mit dem nationalen und Daterlandsgefühl der Juden jin ihren Geburtsländern zu schaffen hat. Herr Mohrenheim würde selbstverständlich seine Pflicht verletzt haben, wenn er, was die „Kreuzzeitung" zu verlangen scheint, als russischer Botschafter deutsche Interessen vertreten hätte. Wenn die Kreuzzeitung höhnisch bemerkt, der Name Mohrenheim klinge nicht slavisch im Ohr, so fragen wir, ob etwa der Name des von Hnnderttausenden verfluchten grausamen Ministers Plehwe slavisch klingt und die vielen andern Namen russischer deutschfeindlicher hoher Beamter mit durchweg deutschem Klang. Diese ganze Geschichtsklitterung würde wohl überhaupt jedem ein Rätsel bleiben, wenn mau nicht wüßte, daß das Hauptorgan der Konservativen gerne den Antisemitismus fördert, wo sich die Gelegenheit bietet, und wo sich keine Gelegenheit findet, diese an der Haarlocke heranzerrt. Damit können wir den Fall Mohrenheim einerseits als für die deutschen Juden belanglos, andererseits als typisch für die „Kreuzzeitung" zu den Akten legen. SH.