Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Article
- Der Moses kommt
- Date
- 1917-12-01
- Page
- 521 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316875--28042-2353312- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vermischtes,- 521 „Der LNoses kommt." In einer BrieskasLennotiz unscreZ Juli-. Augusthcftcs halten wir auf <i)ruuD einer Beschwerde des Herrn Kanonier H. im Felde gerügt, daß das sonst sehr geschätzte Mitglied des Dresdener Hofthectters, Joses Pauli, im Theater zn Charleville vor Feldgrauen ein Couplet „Der Moses kommt" vorgeLragen hat, das auf Soldaten jüdischen Glaubens verlstz-nd wirten rauhte. .Wie uns Herr Pauli schreibt, hat ihm bei dem Vortrag jenes bereits über 40 Jahren alten Couplets jedwede Verletzung religiöser Gefühle ferngelegen; dieses. Couplet habe schon sein Vater, der über 25 Jahre einen frommen jüdischen Gesangverein leitete, dort wiederholt zum Bortrag gebracht, ohne daß daran irgend ein Anstoß^genommcn worben sei. Wie uns' ferner von anderer, jüdischer, Seite bestätigt wirb, ist Herr Pauli alles andere eher als ein Antisemit. Wir nehmen und geben hiervon gern Kenntnis, möchten aber im Anschluß hieran darauf Hinweisen, daß es ein Puterschicd ist, ob man ein jüdisch witzelndes Couplet in einem Kreise^ von Juden verträgt oder in einer konfchsiouell gemischten Gesellschaft. In sol-wen. Fallen sollten auch diejenigen, die derartiges ohne^ antisemitische Absichten voütragen, daran denken, wie Ls auf jüdische Zuhörer wirken tonnte. Das Erscheinen der „StaaLsbürgerzeitung" war in Frage gestellt. Der Verleger und verantwortliche Schristleitcr Audoch Lcbins hatte, wie er mütteilst, die ^lufforderung erhalten, sich im vaterlärrbischen Hilssdienst eine Beschäftigung zu suchen. Seine Tätigkeit an der „Staatsbürgerzeilung" ward also von der Behörde nicht als Hilfsdienst angesehen. Wie erinnerlich, wurde das jantlsemiLische Matt kurz nach Kriegsausbruch verboten und ist erst vor ungefähr dreiviertel Iechreu in sehr knappem Amfange wieder erschienen, wobei Herr Lebius seine Waffen auch gegen die Alldeutschen richtete und sich einen Vclci-ignngsprozeß an den Hals schrieb. Da die „Staatsbürgerzenung" noch weiter erscheint, dürfte an Herrn. LcbiuS der Kelch vornbergegangen sein. „pro Israel." In Italien ist ein Verein der Juden« freunde gebildet worden, bciiTi vorwiegend bedeutsame Vertrete? der Intelligenz angehören. Sein Zweck ist, die Gegner, wohlge« merlt die jüdischen Gegner der Wiedererrichtung einer unabhängiges jüdischen Nation in Palästina zu entwaffnen. Die Bewegung, die den Namen. „Pro Israel" angenommen hat, ist auch schon in Genf und Lausanne durch Zweigstellen vertreten. In Frankreich, Amerika, und England soll der Boden für das Unternehmen schon vorbereitet sein, wobei man Wohl eher annchmen darf, daß von England aus der Boden des bunbesgenosüschen Italien bearbeitet worden ist. Das „Allgemeen Handelsolad" veröffentlicht ferner einen Aufruf z!ur Gründung einer holländischen Gruppe „Vro Israel". Wir enthalten uns zunächst jedes Kommentars und wollen jabwarten, welche Tätigkeit diese neue tendenziös-politische Truppe; von Nichtjuden zur „Entwaffnung" eines großen Teils von Juden .entfalten wird. r- Der polnische tNinisterpräsiöenL und b\c Juden. Kucharczewski empfing am 7. Dezember Vertreter der jüdischen Zeitungen Warschaus und hielt an sie eine längere Ansprache, in der. er seiner grundsätzlichen Anpassung Ausdruck gab, gemäß den streng demokratischen Grundsätzen seines Programms die jüdische Frage im polnischen Staate nach den Prinzipien der Gerechtigkeit ans der Basis der Gleichberechtigung der Bürger ohne Unterschied' des Glaubens und der Herkunft zu lösen. z,Jch muß dafür sorgen," führte er aus. „daß im neu entstehenden polnischen Staate lein innerer Hader herrscht. Burgfrieden und Zu«