Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Die "deutsche Religion"
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 421 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes, 42 i hlinwiederum durch die Ergebnisse der modernen Nassentheorie und der Darwinschen Entwicklungslehren derart ,,geläuLert" ist, daß ein mit schwungvollen Phrasen eingerahmter Atheismus übrig bleibt: das deutsche Volk, als die edelste und bevorzugteste aller Nassen, als die höchste Offenbarung des Menschentums, ist sein eigener ©ott geworden. Das Christentum wird in Nietzscheschem Sinne als der große Verweichlichter und Entnerver der Völker abgetan) groß ist nur, wer Wacht hat und die Macht ausübL.i Groß, war das römische Altertum mit seiner Welteroberungspolitik.^ Im gleichen Sinne schreibt Adolf Neinecke in einem anderen alldeutschen Organ, dem Heimdall: „Wir brauchen einen deutschen Kult- und Stammestempel." Wie er ausznsehen hat, beschreibt Adolf Neinecke weiterhin folgendermaßen: „In der ersten Halle Standbilder der großen Männer des Voltes von Armin und Siegfried an, in Per zweiten die deutschen Kaiser, in der dritten^ im allerheiligsten, die Götter der Deutschen mit Wotan ans dem Throne." Während der Kultstunden tönt „ans unsichtbaren Nebenräumen gedämpfte Musik, die Hallen find mit Weihrauch geschwängert". Es werden deutsche Predigten und Vorträge gehalten. Diese haben besonders die Lehre zum Gegenstand, daß derselbe Gott, her den weichen Jesus als ein Gott der Liebe und Sanftmut erschien, unseren Heldenvätern als ein Gott des höchsten Heldentums und der Mannesehre vorschwebt". „Es ist also die große Ausgabe des deutschen Kultus, eine Versöhnung der einzelnen christlichen Bekenntnisse unter einander und zugleich mit dem G l a u be n unserer Vater herbeiz uführen." Ehamberkain, „der davongekaufene Engländer und geistreichelnde Pielschreiber", wie die „Köln. Volksztg." ihn nennthat d.en Heiland bekanntlich zum „Arier" gestempelt, um von ihm das „Odium" der semitischen Abstammung zu nehmen. Ein anderer alldeutscher Schriftsteller, Klaus Wagner, vom Führer der Alldeutschen, Prof. Ernst Hasse, empfohlen und eingeführt, schreibt in seiner Schrift: Krieg (1903 erschienen) den ungeheuerlichen Satz: „Jesus, diese Kampfnatur voll germanischen Wagemuts, zu einem geduldigen Lamm zu stempeln, ist ja Lüge, ist ja pfäffische Lästerung, ist freche ^Verzerrung eines Siegsriedbildes, einer Baldur-- gestalt." So kann es nicht wundernehmen, ba% ein anderer alldeutscher Schriftsteller, Medizinalrat Dr. W. Fuchs, in seiner Schrift: Weil wir nicht kriegsbereit sind (1914, vor dem Krieg) schließlich zu folgenden Sätzen kommt: Wer nicht wagt, gewinnt nicht! Ohne Sprengstoff in der Seele ist kein Wagnis denkbar, ist nichts politisch Großes zu erzielen! Ohne gefährliche Charaktereigenschaften flößt man kerne Furcht ein! Ohne subversive Tendenzen kein großes Vorwärts des nationalen Geschickes! Erziehung zum Haß! Erziehung zur Hochachtung des Hasses! Erziehung zur Liebe zum Haß! Organisation des Hasses! Fort mit der unreifen Scheu, mit der falschen Schnur vor Brutalität und Fanatismus! Auch politisch gelte das Wort Machivellis: „Mehr Backpfeifen, weniger Küsse! Wir dürfen nicht zögern, blasphemisch zu verkündigen: Ans ftnd gegeben Glaube, Hoffnung und der Haß! Aber -der H aß i st d e r größte unte r ihne n." Geffentlrche Anklage wegen des Vorwurfs , .Drückeberger". Vor dem'Amtsgericht in Charlotteuburg fand eine Verhandlung statt,- bei der die Staatsanwaltschaft wegen öffentlicher Beleidigung' Strafantrag gestellt hatte, weil ein Schneider einen Zahnarzt offentlUh als „Drückeberger" bezeichnete. Der als Bühnenschriftsteller bekannte