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Im deutschen Reich · 1917-10-01 · Heft 10 (Oktober 1917) · p. 411

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 10 (Oktober 1917)
Article
Björn Björnson und die galizischen Juden
Date
1917-10-01
Page
411 (sequence 2)
Language
German
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Björnson und die galizischen Iudvrk- 411 und das Leben mit Resignation und meistens mit bescheidener Wehmut nehmen — so spricht es aus ihren Augen —, sie sind uns im Kampf ums Dasein überlegen weil sie Geduld und Unrechtleiden gelernt haben — aus dem stärksten Glauben heraus, der stärksten Sehnsucht nach der neuen Offenbarung — zu der sie wohl nicht mehr selbst, aber ihre Rachkommen, oder dijü nach ihnen, gelangen würden. — Ihre Sehnsucht zählt nach Jahrtausenden. Wir sind alle Parvenüs in ihren Augen. Wir kamen langes lange danach angehumpelt — und machten unser Ideal nach Christus, der kein Gott für sie ist — sondern ein Jude — den die Welt anbetet. Sie sonnen sich in dem Gedankeü. Wir Christen hatten die Macht, die wir ja gegen sie jahrhundertelang mißbraucht haben — vor ihr mußten sie sich beugen — aber in ihrem Innern lachten sie uns aus -- wir können ihr Leben auslöschen, das sie übrigens ungern hergeben — sie aber tragen ihr Ideal unter ihren schmutzigen Lumpen. Sie verachten uns — und sie feilschen mit uns — und sie besiegen uns fast immer. And so gut tun sie das, daß wir oft nicht verstehen, wie sie daran gewinnen können — wie Isaak mit seinem Rittmeisterleben. Welcher Gott hat die Christen gelehrt, so zu sein," sagte ein polnischer Jude einmal M mir in Oesterreich. „Richt ihr Christus — denn er war ein Jude. Und keiner der Unsrigen hat diese Moral — wenigstens nicht von denen, die nach dem Talmud leben. Und Christus kannte alles, was die Schriftweisen kannten." So denken sie. Die Mißhandlung durch jene Namen — die der Beamtenstand unter Kaiser Josef II. ihnen aufgezwungen — ist die roheste, die gegen Menschen verübt wurde — weil sie ins Seelische trifft, zu ewiger Verhöhnung — von Geschlecht zu Geschlecht. Pulverbestandteil, Kußmaul, Danngerassel, Dreckfresser, Unterleibsgeschwür, Leibschleim — und noch entsetzlichere —, das sind Namen, die man sie als eigene anzunehmen genötigt hat. Und sie tragen sie — und schweigen — und warten auf ihren Messias, der die Erniedrigung von ihnen nehmen soll. Kommen in die Welt hinaus und machen manchen dieser lächerlichen und ekelhaften Namen berühmt. So viel über die Aermsten, die Edelsten — von dem auserwählten Volk — ^a draußen im Osten bis tief ins schwärzeste Rußland. ‘ Als ich jung war — in den siebziger Jahren — traf ich den Dichter Auerbach in Berlin. Und ich wußte, wie unsagbar er unter der Bewegung des Antisemitismus, litt, wie damals in Deutschland ziemlich neu war.

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