Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Eine Regung der Selbsterkenntnis
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 375 (sequence 2)
- Language
- German
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VüKerschau.' S7'5 beschämend zu sehen, (wie die Agitatoren miteinander um! die Palme streitender Parteien die unglaublichsten Lügen und Verleumdungen, ja Schlimmeres' aufbieten, um den Kandidaten der Gegenpartei in Hen Augen der Wähler herabzusetzen . . . Man kann die antisemitische Wahlkampfs-Methode gar nicht besser und richtiger kennzeichnen. Im LZauxtausschutz öes Reichstags wurde bei der Besprechung der Verhältnisse in den besetzten Gebieten auch die Lage und Beschwerden der jüdischen Bevölkerung in Litauen und Polen, insbesondere die Frage der Zwangsarbeit eingehend behandelt. Es ist zu hoffen, daß auf die z. Tsehr dringlichen Beschwerden Abhilfe erfolgen wird. Bücherschau. Verträge zur Geschichte der deutschen Juden. Festschrift zum 70* Geburtstage Martin Lchikipxsons. tzerausgegeöen vom Vorstände der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Leipzig 1916. Gustav Fock G, m. b. H. XII und 392 weiten. Die Festschrift, die zum 70. Geburtstage Martin Philippso ns die Huldigung der von ihm geleiteten Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums bildete, war für den Gefeierten eine große, aber kürze Freude. Wenige Tage nach ihrer lieberreichung erlöste ihn der Tod von seinem Leiden und raubte der! Wissenschaft einen ausgezeichneten Geschichtsforscher, der deutschen Judenheit einen hochgeschätzten und verdienstvollen Führer. So bildet denn das vorliegende stattliche Werk, zu dem die besten deutschen Forscher jüdischer Geschichte beigesteuert haben, nunmehr ein ehrendes Denkmal für den Heimgegangenen, dessen Persönlichkeit und Wirken in der Einleitung Gatt mann in knappen, aber treffenden Strichen kennzeichnet. Den Meister deutscher Geschichtschreibung zu ehren, sollte-die Festschrift nur Arbeiten aus der Geschichte der deutschen Juden bringen. In diesem begrenzten Rahmen bewegen sich die einzelnen Beiträge, von denen freilich mancher auch für die größeren geschichtlichen Zusammenhänge von Bedeutung und Anregung ist. Die ersten Aussätze führen in das frühe Mittelalter ein. Taeubler, Thkocieski und E l b o g e n üben berechtigte Kritik an den bisherigen Darstellungen. Ersterer zeigt, wie die wissenschaftliche Reuorientierung in den Anschauungen über die allgemeinen Wirtschafts- und Kulturverhältnisse der deutschen Frühzeit auch das Arteil über die Stellung der Juden innerhalb des! Ganzen ändert und diese nicht mehr als die Träger des Welthandels, jauch nicht mehr als die Warenhändler erscheinen läßt, als die sie bisher gegolten. Die beiden anderen Forscher weisen besonders hinsichtlich der Verfolgungen in Mainz 1012 und der Kreuzzngsverfolgungen die Anzuverlässigkeit der Quellen und der aus ihnen schöpfenden Bearbeitungen nach. Lucas kennzeichnet die Stellung des Papstes Jnnocenz III. zu den Renegaten, deren materielle Anterstützung er fordert. Herlitz macht aufmerksam, wie der Sprache gebrauch hebräischer Arkünden in mittelalterliche Verträge üb er gegangen ist. Die Stellung der heiligen Vehme Zu den Juden, besonders in Frankfurt, behandelt Kracauer in interessanter Weise. Freimann gibt ein Bild der Regensburger Gemeinde ums Ende des 15. Jahrhunderts, die infolge der Verfolgungen von außen und der Parteiungen im Innern schwer darniederliegt. Zivi er stellt Urkunden des 16. Jahrhunderts zusammen, welche Machenschaften