Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 360 (sequence 1)
- Language
- German
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360 Im Deutschen NeiH.- Amschau In ihr neues NeligionZjahr, das neben dem bürgerlichen für sie in aller altweihevollen Geltung bleibt, konnte die deutsche Iüdenheit -diesmal eintreten mit der Hoffnung,, daß der ersehnte, im Gebet brünstig erflehte Friede dem Materlande, daß er her Welt endlich nahen möge! Ein kriegerisches Volk, wie es das jüdische nach seiner Geschichte stets gewesen, ist es doch zugleich das klassische Friedensvolk. Auch darin ist es dem deutschen Volke gleich., daß es stets zum Frieden bereit, aber zum 'ansgenötigten Kriege gerüstet war, daß es den Frieden geliebt, den unausweichlichen Kampf nicht gescheut hat. Aber seine Lieder feiern den Frieden unendlich höher als den Krieg, das Gruß-Wort und das Willkommen des Juden lautet stets ,,Friede mit Euch", die Antwort „wil Euch sei Frieden", und als wichtigster Wunsch gilt der nach Frieden, nach innerem und äußerem Frieden. Darum begrüßen wir die anscheinend wieder leise herandämmernde Morgenröte des 'Friedenstags mit aller Freudigkeit, wie ja auch unsere Brüder und Söhne mit Freudigkeit in den Krieg hinauszogen, als die Feindestücke ihn uns aufnötigte, wie sie mit Freudigkeit in den Tod gingen für das überfallene Vaterland. Don allen antisemitischen WahrheiLsverdrehungen die niedrigste und verächtlichste ist die von der angeblich jüdischen Neigung, sich dem Heeresdienste zu entziehen. Eine solche ist gewiß vielfach zntagegetreten, bei Christen und Inden, aber sie hat nichts mit dem Glauben zu tun, nur mit dem Charakter; nichts mit der Glaubensgemeinschaft, sie ist Sache des Einzelnen. Unter der lügnerischen Sucht, etwaige Einzelerscheinungen einem ganzen Volke anzukreiden, hat jetzt das Deutschtum in der Welt ganz so zu leiden wie vordem vielfach das Judentum in Deuts ch. l a n h. Mit welcher Beschämung mögen diejenigen Geschäfts- Antisemiten, die noch der Scham zugängig sind, ihre Lieblingskniffe Wiedersehen, wie sie in der feindlichen Presse gegenj Deutschland und die Deuts ch e n angewendet werden. Ist es nicht ein alter aber selbst durch das Alter nicht, ehrwürdiger gewordener Brauch der Antisemiten, hinter jeder ihnen mißliebigen Betätigung jüdischen Einfluß zu wittern oder den Einfluß, jüdischen Geldes, und nach etwaiger jüdischer Abstammung, nach ehemals jüdischen Namen zu schnuppern. Nun denn; es ist freilich längst bekannt, daß bei der Vorbereitung des russischen Aufstandes die englische Diplo-, matie in Petersburg ihre schmutzigen Hände im Spiel hatte. Warum sollte eine Diplomatie, die in Christiania Weuchel-