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Im deutschen Reich · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. 329

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
In der Dämmerstunde [Rezension]
Date
1917-07-01
Page
329 (sequence 2)
Language
German
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Vermischtes.- 329 cm ihrer Hand vom Weltgeschehen etwas erfährt) doch mit glühender Vaterlandsliebe am Weltkriege Anteil nimmt. Wo ihr zuweilen ein An klang an Fremdes in die Quere ko mint, wie etwa bei dem Gedicht „Dein Schiff streicht durch den Aether, Zeppelin", führt es zur empfindlichen Entgleisung) wo sie aber ihre eigene gewinnend einfache Verssprache redet) hört man ihr mit Behagen zu und mit besonderem Genuß) wenn sie aus innig jüdischem Empfinden in echter Liebe, zu treujüdischem Wesen, ihre Ehanuka- oder Wochenfest- und Seder-Lieder anstimmt. ~ Durch die Herausgabe dieser Gedichte hat der Leiter der jüdischen Blindenanstalt Berlin-Steglitz) Herr M, Friedöerger, so manchem dankbaren Leser eine Freude gemacht, zur Genugtuung der Verfasserin, die, wie Heineaus ihren großen Schmerzen ihre kleinen Lieder macht. I. L. „Der völkische Gedanke und die Verwirklichung des Zionisntus" so nennt sich eine kleine Schrift in der Dr. F. i0iebert Betrachtungen „zur Versöhnung und zur Scheidung der Völker" anstellt. (I. F. Lehmanns Verl a g wu ü n cg e n.) Der „völkische Gedanke" ist ihm die Meinung) daß. ein Volkstum in der Gleichheit der VlnLmischnng besteht) die eine Gleichheit in Aüschanungen, Neigungen und in Gesittung nicht zur Folge, sondern zur selöstverständÜchen Begleiterscheinung hat. Er leugnet jede solche ungefähre .Gemeinsamkeit für die Menschlheit im Allgemeinen ab und er nimmt sie für das besondere Volkstum in Anspruch. Lr bestreitet darum die Möglichkeit einer Anpassung fremden Volkstums) einer „Assimilierung": ein Palmbaum kann eben kein Eichbaum werden, meint er. Es wäre sogar eine Beleidigung für einen Deutschen) wenn man ihm Zumuten wollte, um äußerer Vorteile willen sein Deutschtum aufzügeöen und sich einem fremden Volkstum anzupassen, und darum müsse die Ritterlichkeit es verbieten, dergleichen von den Juden zu vergangen. Man lasse irr gemischvölkigen Gebieten jedem Volkstum seine eigene Negierung) also jetzt im neuen Königreich Polen, den Polen eine polnische, den Rnthenen eine ruthenische, den Juden eine jüdische, die eigene Verwaltung und eigene Gesetze haben sollen. Auch in Deutschland soll demgemäß das „Schiedlich e" die Voraussetzung des „Friedlichen" sein. Mit dem Vorschlag der getrennten Regierungen bei gemischtem Volkstum ist es dem Verfasser selbst sicherlich nicht ernst, um so ernster mit der Ansicht, daß Deutschtum und Judentum sich nicht z!u einer Einheit verschmelzen, können. Sein Grundirrtum besteht darin, paß er ein Volkstum, wie hier das Deutsche', für eine vou jeder anderen scharf unterschiedene) in sich völlig gleichartige Gattung hält. Er würde aber von' dieser Ansicht abkommen, wenn er sich erinnern, wenn er nachprüfen wollte, aus wievielerlei Elementen die jetzige Bevölkerung des Deutschen Reiches hervorgegangen und gemischt ist, wenn er sich vergegenwärtigen wollte, wie stark der Mecklenburger und der Oberbayer von einander verschieden sind, so verschieden, daß sie sich nicht nur sprachlich) sondern auch im Wesen schwer verstehen) wie Sachse und Schwabe, sich von einander unterscheiden, Pommer oder Ostpreuße und Rheinländer. Die Juden aber, die seit Jahrhunderten innerhalb dieser Stämme leben, Schicksal und' Sprache, Leid und Freud mit ihnen teilen, die sind in jedem Sinne ihrer Volksgenossen. . Ls ist ein Irrtum, wenn der Verfasser meint, Heines schmerz sei es gewesen, sein Leiden, daß er nicht Deutscher werden konnte. Er war es, war es mehr als mancher, der heute mit seinem Deutonentum protzt, und' diejenigendie ihn einen Feind des Deutschtums schelten, vergessen, oder verschleiern, daß er nur ein Feind der damaligen traurigen Zustände war, aus denen uns die Reichseinheit glücklich befreite.

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