Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Gerechtigkeit den deutschen Juden [Rezension]
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 328 (sequence 1)
- Language
- German
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328 Jur Deutschen Reich. „Gerechtigkeit öen deutschen Juden" nennt sich ein kleines, grünes Heft, in dem Gustav' 'Adolf M n ller-Eze r rt y in Frankfurt a. M. mit aller Wärme für das Recht der Inden eintritt und ,btc Feindseligkeiten zurückweist, die uns noch immer, wenn auch in moralisch niedrigeren Sphären, begegnen. Es ist sonst nicht unsere Art und nicht unsere Aufgabe, gute Zeugnisse für die Juden zu sammeln. Sie haben keine Entlastungszeugen nötig, denn auf der ge'flagtenbank sitzen vor dem Richterstuhl der Kulturgeschichte nicht die Juden, sondern ihre Verleumder. Immerhin sei der Gerechtigkeitssinn und der schöne Eifer gebührend anerkannt, mit dem der Herausgeber der Wochenschrift „Das deutsche Blatt" hier für die praktische 'Gleichberechtigung der Inden eintritt und gegen ihre Gegner sich wendet, die freilich eher Jrregeführte als Irreführende, in der Mehrheit nur die Opfer und nicht die Meister der Bosheit sind. —u. ,,DeuLscher VolLsrvarL" nennt sich eine neue Monatsschrift, die, gleich einem reichlichem Dutzend älterer Zeitschriften, „an der Vertiefung und Verinnerlichung deutschen Lebens arbeiten" will. Was schon hundertmal über das „fremde Rassetum." der Juden gefaselt wurde, das ist hier mit breiterer Geschwätzigkeit wiederholt. Wo ein neues Blättchen sich an schickt, gegen das Judentum zu eifern und zu geifern erscheint natürlich sofort Prof. Adolf Bartels unten den Mitarbeitern. Natürlich versäumt es auch das neue Blatt am Giftbaum des Antisemitismus nicht, den „Zionisten" einige Freundlichkeiten zu sagen, die „ehrlich genug!" sind, ihr gesondertes Volkstum zu erkennen. Mit der neuen Zeitschrift^ in 'neue Auseinandersetzungen über oft erörterte Dinge einzutreten, lohnt wahrlich nicht der Mühe. Die Zionisten sollte es aber doch endlich nachdenklich machen, daß alle Iudenhetzer, alle die -uns um unsere politischen, unsere bürgerlichen Rechte bringen wollen, sich zu ihnen wie zu Gesinnungsgenossen gesellen, *— u. „In der Dämmerstunöe" nennt sich die Sammlung von Gedichten einer „T a u b b l i n d e n", Jenny B e r g m a u n. Eine „Insassin der Jüdischen Blindenanstalt Berlin-Steglitz (Wrangekstraße 6—7) schildert hier in schlichten Versen und anspruchslosen Liedern ihr Schicksal und ihren stillen Anteil am Weltgeschehen. Seit Homer und seit Milton haben oft blinde Sänger in machtvollen Dichtungen ihr inneres Schauen offenbart. Ein „Taub- Llinder" war auch der noch! lange nicht nach Gebühr gewürdigte Philosoph und Lyriker Hieronymus L o r m, der just seiner Blindheit' und Taubheit, dieser vollkommenen Abschließung vom Weltlärm, die Tiefe seiner Philosophie und die unvergleichlich-e Sprachmeisterschaft in seiner Lyrik zu verdanken hatte. In ihrer viel bescheideneren Art ist auch unsere Tairbblinde Jenny Bergmann durch ihr düsteres Schicksal Len lichten Höhen der Poesie nahergeführt worden. Ein Glückskind wie Goethe konnte an die Spitze seiner Gedichte das Wort setzen: „Glück und Anglück wird Gesang",: hier ist bloß aus A n g l ü ch Gesang geworden, der sich aber -als Seelenmedizin erwies. Wenn uns sonst nur die Lieder erfreuen oder rühren, der Dichter aber uns frcnrd bleibt, so sind wir hier durch das Schicksal der Dichterin gefesselt; die Verse bewegen uns besonders da, wo sie uns in ihrer anziehenden Einfach» heit zur Teilnahme an diesem Leben gewinnen. Im einleitenden Gedicht erzählt uns die Verfasserin ihr Schicksal, ein kleiner Strauß weiterer Lieder führt uns in das Leben der Blirrdenanstalt ein und zu packender Kraft fast erheben sich, die Verse zuweilen, wenn diese Taubblinde, die nur durch Vermittlung jder Fingersprache