Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Zum Prozeß Beilis
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 323 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 323 die wildesten Ausbrüche seines Judenhasses dadurch! besonderes zu bekräftigen versuchte) daß er seine pure» vollständig uneigennützige „Aeberzeugung" hervorhob und jede Zumutung einer HonorarenLschädigung zurückwies — dieser Idealist bekam aus dem Geheimfonds des Polizeidepartements '3500 Rubel für sein Auftreten im obengenannten Prozeß. Roch beschämender entpuppt sich die ^wissenschaftliche Expertise" des Herrn Prof. Kossorofow, welcher bekanntlich, entgegen den überzeugenden Antersuchungen der anderen Experten, der Herren Prof. Zeib, Chirurg Pawlow und Kadjan, uuerschüttert au dem für Beilis!v>eruichtenden Standpunkt festhiel.L. 'Dieses stolze „Kann-nicht-anders" findet jetzt seine Erklärung. in der Tatsache, daß der Ritter ohne Furcht und' Tadel der reinen Wissenschaft außer der üblichen Entschädigung von 400 Rbl.. für die Expertise noch die nette Zulage von 4000 Rbl. vom gleichen Geheimfonds erhielt, sicherlich zum Anspron seines wissenschaftlichen Eifers. Diese saubereu Herren haben jetzt die empfangsbestätigendeu AnL er schr ist en >an er kä nn t. Der erste jüdische KolizsipräsröenL. Zum ersten Polizei- Kommissar von RewPork wurde dieser Tage der Anwalt Frank Motz ernannt. Motz wurde 1867 in Putuam, Rew Bork, als Sohn jüdischer Eltern geboren, und war als Advokat sehr bekannt. Die russische Regierung und die Juden. Der Warschauer „Moment" schreibt unter der Aeberschrift: „Der Kommentars: Aus dem neu befreiten Rußland kommen günstige Rachrichten über die Stellungnahme der Vorläufigen 'Regierung gegenüber den Juden. Sie bekämpft den Antisemitismus im eigenen Lande und wendet sich sogar gegen den Antisemitismus in fremden Ländern (Rumänien). Der Minister des Ueutzeren Tereschtscheuko hat einen scharfen Protest an die rumänische Regierung gerichtet wegen der Hetzereien, die an der rumänischen Front gegen die'Juden betrieben werden. Solche Rachrichten von der Vorläufigen Regierung und vom russischen Minister des Aeutzeren wären ^geeignetuns mit Befriedigung zu erfüllen, wenn die Stellungnahme der russischen Regierung gegen die Judenverfolgungen nicht durch den „Kommentar" begründet 'wäre: „Weil Pogrome möglicherweise eine Gegenrevolution mit sich bringen können". Die Sorge für die Juden ist also Rebensache, auch für die neue Regierung in Rußland. Die alte zaristische Vureaukratie hat Pogrome veranstaltet, um die Revolution zu ersticken, die neue Regierung vermeidet die Pogrome, um die Revolution nicht zu ersticken. Jüdische Legionen. Die Zahl der mit schwerindustriellem und sonstigem Kriegslieferanten - Gelde gespeisten Blätter wird allgemach Legion. Diese alldeutsch.-Lgrarisch-kriegs'verlängerunssüchtige Presse wird jetzt auch auf die Juden gehetzt. Sie wärmt die ältesten antisemitischen Redensarten auf, sagt brav den ganzen überlebten Antisemiten - Katechismus her, läßt alle falschen Zungen gegen das Judentum aufmarschieren, zählt alle ehedem in hunderterlei Flugblätter ausgepreßten Zitaten gegen das Judentum — von Luther bis Bismarck — ber (was die alle bei besserer Einsicht für die Juden sagten wird verschwiegen) und die „Deutsche Zeitung" versteigt sich.in ihrer Rümmer vom 11. Juli sogar zu den krampfhaft witzigen Vorschlag, man solle doch in der Armee „jüdische Legionen" Hilden, die ja dann auch jüdische Offiziere haben und koscher verpflegt werden könnten. Danach, müßten natürlich auch katholische protestantische, herrenhüterische Legionen gebildet und der Staat in konfessionelle Gruppen aufgelöst werden. Der Verfasser dieses Possenszene nennt sich einen „Freund der nationaljüdischen Be-