Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Die Juden Polens - ein "zugewandertes Element"
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 276 (sequence 2)
- Language
- German
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276 gm HMsHsn UeiG und nationalen Eigenart mrt rmm.ee wachsendem AaWruck. Aus ein dementsprechend es Ersuchen der deutschen Verwaltung hat sich nun der Z-taatsrat dahin ausgesprochen, daß er als Minoritäten, lediglich die Litauer, Ruthenen, Weißrussen und Deutschen, keineswegs aber die Juden, anzuerkennen gedenkt, die nur „Zu g ewand erte", -also Fremde, seien. Er leugnet deshalb ihr Recht auf eigene Schulen ab. Mit dieser Klassifizierung stellte sich der Staatsrat genau auf den Standpunkt Rumäniens. Darüber, wie der Staatsrat überhaupt dazu kam, Minderheitsrechte zu proklamieren, teilt der Bericht folgendes mit: „Der Staatsrat tut es nicht aus eigenem Willen. Erstens ist die ganze Behandlung der Rationalitcitenfrage auf 'Anregung aus Berlin erfolgt. Sodann haben die Ruthenen, Litauer intb- Weißrussen ihre Anzufriedenheit mit der polnischen Politik in schärfster Weise zum Ausdruck gebracht. Handelt cs sich doch nicht um die Rechte dieser Rationalitäten auf polnischem, historisch-ethnographischen Gebiet, sondern auf ctg en e m, nationalen Boden.: In diesen Gebieten bilden aber nicht die erwähnten drei Rationalitäten, sondern eben die Polen die Minorität! Minderheitsrechte kommen lediglich in bezug auf die Deutschen in Betracht. . . . And den Juden will man keine Rechte gewähren, weil die volnischen Führer wahnen, es würde sich für die Juden niemand einsetzen. . . . Die neuliche Zusage des StaatsraLes, die Juden als gleichberechtigte Bürger in der Zukunft zu betrachten, erweist sich als nichtig. Recht bald nach diesem Versprechen erfahren wir, daß die öffentlich anerkannten ^Bürger" im geheimen Protokoll als ,Zugewanderte" und ,Ankömmlinge" .figurieren." Die erste Handlung des befreiten neuen Dolens geht dahin, andere zu unterdrücken und sie ihrer kulturellen Rechte zu berauben. Die Haltung des StaatsraLes ist um so unverständlicher, als die preußischen Polen mit Zustimmung ihrer Landsleute im Königreich für die Provinz Posen die kulturellen Rechte fordern, hie die Polen in ihrem eigenen Lande anderen verweigern. „Tvir Juden tun trtcBt< als nufere Pflicht." Beim Ausbruch des Krieges erließ der Verband der deutschen Juden undder Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in dieser Zeitschrift einen vielbeachteten Aufruf, in dem es unter anderem heißt: „Wir rufen Euch auf, über das Maß der Pflicht hinaus Eure Kräfte dem .Vaterlande zu widmen!" Dagegen dürfte es heute nur einem kleinen Kreise bekannt sein, daß in der Schlacht bei Wörth ein ähnlicher Ausspruch von einem tapferen jüdischen Kampfer, dem Anteroffizier Joses K ö n i g s b e r g e r, einem zu den Fahnen geeilten Kaufmann, getan wurde. Hierüber finden wir nähere Mitteilungen in einer im Jahre 1895 erschienenen Artikelserie „Kriegserinnerungen" der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", die eingeleitet wurde durch einen vom 14. Au Kr st 1695 datierten Leitaufsatz: „Aus großer Zeit", dessen erste Zeilen;: „Die Erinnerung an die Ruhmestage von 1870/71 wird gegenwärtig in Deutschland in allen Kreisen'mit gleicher Liebe rrnd Begeisterung gefeiert. Am so bedauerlicher ist es, daß unsere Gegner selbst diese große Erinnerung durch ihre Schmähungen auf die Juden trüben. In dem Kampf, den Deutschland damals für seine Freiheit und sein gutes Recht führte, haben auch die Juden mitgekämpft und mitgesiegt, und wir werden uns unseren Anteil an den glorreichen Ereignissen durch niemand verkümmern lassen." Von uns Heutigen — leider! -— als auch jetzt nicht ganz, unzeitgemäß bezeichnet werden müssen! Rabbiner Dr. Ehrlich erzählt MN in Rr. 35 des genannten Blattes dom .30, August 1895, daß Josef