Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Die Stellung der Juden in Holland zum Deutschtum
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 275 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 275 lichen tmb der Staats-Laufbahn ebenso geht, daß für einen Mann wie Prof. Ehrlich in Preußen kein Lehrstuhl gefunden wurde und hundert andere Sachen. In Holland, wo es im Zivilstandsregister keine Rubrik für Religion gibt, weil Staat und Stadt sich grundsätzlich nicht darum kümmern, was man glaubt oder nicht glaubt, hier steht man ganz fassungslos der Maßnahme gegenüber, an und hinter der Front die Religion auszuzählen. Änd das in einer Zeit wo Deutsche jedes Glaubens unzählige Heldentaten verrichteten, nnd noch mehr Heldentode gestorben sind, eine Zeit, der der Kaiser den Stempel auförückte, er „kenne keine Parteien mehr". Wenn uns dieses nnd vieles andere vorgehalten und behauptet wird, in England, in Frankreich, in Italien, wehten freiere Lüftefrage ich zurück: „And wie steht es mit den russischen Bundesgenossen?* Dann sind die Frager ebenso um eine Antwort verlegen wie die übrigen Entente-Brüder sich im stillen oft des russischen schämen werden, Schließlich finden sie ihre Fassung aber wiä>er und meinen, es sei doch nnr die Rede von europäischen Kultnr!-- staaten, wozu Deutschland sich selbst zähle, Rußland aber nicht. Rußland sei überhaupt kein europäischer Staat, Rußland sei Asien. — lind ich vertröste dann alle auf die Zeit nachdemKriege. Hoffentlich wirds eine gute, große Zeit." Hoffentlich!- Einen Aufruf für öre 6. deutsche Llriegsanleihe, eine eindringliche Mahnung zum Aufgebot aller Kräfte für die Stärkung unserer Kriegführung, schloß der Großherzoglich Badische Oberrat der Israeliten in Karlsrnhe mit den treffenden und heute noch' bemerkenswerten Worten: „Zum Schlüsse ermahnen wir die Angehörigen der Landes-Synagoge, lediglich die Pflicht gegenüber dem Vaterlande im Auge zu haben, und nicht durch 'judengegnerische Strömungen und Bestrebungen sich irre machen zu Men. Das Vaterland ist das Bleibende, Dauernde, jene kleinlichen, rückschrittlichen Strömungen aber, werden sich immer mehr als unverträglich erweisen mit der großen Weltpolitik auf die unser Deutsches Reich notwendig angewiesen ist/ „Die Germanen in Europa", nennt Otto Hauser sein neues Buch. (Dresden, Heimat und Welt, Verlag.) Er der« sucht da nachzuweisen, welche Rolle die Germanen im weitesten Sinne kn her Kulturgeschichte gespielt haben. Immer wieder betont er, daß sie die bedeutendsten Kulturträger der Welt geschenkt haebn. Dabei zählt er auch die Juden zu den Germanen, allerdings zu den Westindogermanen. Die Juden seien mit den Germanen nahe verwandt. Seine Argumente sind teils sprachforschlich, teils g eschichtlich aus gebaut. Die Juden Polens —- ein „zugervcrnöerLes Element". In dem letzten Heft der Berliner „Reuen Jüdischen Monatshefte" vom 10./25, Mai d. F„ das dem jüdischen Sozialisten und der Revolution in Rußland gewidmet ist, erschien u. a. ein Bericht aus Warschau, der über das Vorgehen des polnischen Staatsrates interessante Informationen bringt. Gegenüber dem Verlangen des Staatsrates, sofort das gesamte Schul- und Fustizwesen. zu übernehmen, hat die deutsche Regierung auf einen Schutz der Mino«, ritäten gedrungen. Insbesondere die deutsche Minorität in Lodz vertritt ja das große wirtschaftliche und kulturelle Interesse des Deutschtums, 'so daß ihre Erhaltung dringend notwendig erscheint, aber auch die fast 15°/o der Gesamtbevölkerung betragende jüdische Minorität beansprucht die Erhaltung ihrer kulturellen