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Im deutschen Reich · 1917-06-01 · Heft 6 (Juni 1917) · p. 273

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 6 (Juni 1917)
Article
Der Wodanskult
Date
1917-06-01
Page
273 (sequence 1)
Language
German
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Vermischtes, 273 Der XOobanslvilt, der neubelebte, foll also bei den echten Leutschen das Christentum ablösen. Wir müAcn uns eine Mei- Uungsäußerung darüber versagen und geben der „Welt am Montag das -Wort. Sie schreibt: „Ein ^sonderbarer Heiliger opfert Inder „Staatsbürger - Zeitung", die wieder seit einiger Zeit tropfenweise ihren Antisemitismus unter die Leute bringt, karge Reste eines wohl kaum je übermäßig gediehenen VerstandeZ dem alten, braven Germanengvtte Wodan. Der Christengott sei ja doch ein Fudengott — und darum sei das Christentum für einen echten Deutschen durchaus nicht angebracht. Lleberhaupt sei es obendrein von einem Engländer — Bonifazius — in Deutschland eingeführt —, also schon faul. Folgendermaßen predigt der neue Wodans-Priester: „Heil Wodan! Lang ist cs her, daß ich deinen Ra men anrief. Es können 1000 Jahre sein und einige mehr. Der? Engländer Winfried, (den sie Vonifazius nannten, hat uns durch ränkevolle Reden entzweit. Er sühnte den Frevel mit dem Lode. Aber die Entfremdung war eingetreten zwischen uns. Sollen wir deshalb ewig Feinde bleiben? Der Weltkrieg von heute lehrt uns die englische Falschheit nnd Heuchelei. Hätten wir Südgermanen damals die Erftchrnngen von heute, wir hätten den Winfriedschen Verleumdungen kein Gehör geschenkt. — 1000 Fahre haben wir in Feindschaft nebeneinander gelebt, ohne uns zu grüßen, Aber was sind 1000 Fahre?! Wohl an die 50 000 Fahre wärest du unser Sott. Fm Jünglingsalter steht der Deutsche. Währt 6OO Monde des Einzelmenschen Leben, so sind 1(300 Fahre ein Monat im Leben des Volkes. Einen Monat gleichsam war also unsere Freundschaft erkaltet. Fetzt erinnere ich mich wieder deiner .... „Jedes Volk hat (einen. Gott, den es versteht. Die Fud>en strrd ein Handelsvolk. Schon vor 10 000 Fahren schleppten sie ihre Waren hin und her zwischen Aegyptens Wunderland der Pyramiden und dem babylonischen Rechtsstaat, wo der Menschheit Rrweistümer eine Stätte hatLen. Fn Karawanen und auf schaukelnden Kamelen reisten und feilschten damals die Wertheim, Ließ und Fandorf. Die Frauen führten sie mit grellfarbene Lücher, Edelsteine, Gold. Aber es war wohl damals schon nicht alles echt. Mit Löwen kämpften sie. Daher (N) die' Löwensohn, Löwenstein und Wwenberg.ü , . s Daher aber auch die „fremde Sittenwelt". „Deutsche Fürsten zwangen sie uns auf. Karl, der Sachsenschlächter, trieb mit dem Schwert uns Deutsche in die Kirchet Scheu, verängstigt, lautlos ging das deutsche Volk zum Christew-- gott. Die Stimmung ist geblieben. Sieh dir die Kirchengänger an in Italien und in Deutschland. Fn Italien ist das Volk auch in der Kirche heiter, frei und selbstbewußt. Fn Deutschland: geduckt, in Leichenbittermiene, traurig. Der Schwertschatten des Henkerkönigs Karl will nicht weicher^ Es kst Zeit, b Wodan, daß wip uns wieder finden." Rach der „50 000jährigen" Freundschaft (mit den Jahrtausenden wirft unser Wodan-Priester nur so um sich) wird der große Wodan seinem Getreuen ja wohl verzeihen, daß es Gn lumpige 1000 Jahre nicht gegrüßt hat. Auch der Vorwärts beschäftigt sich mit dieser inneren MWvA der Wodans-Kirche und bemerkt dazu: „Die wieder anferstandene „Staatsbürger-Zeitung" liebt als antisemitische Spezialität den Kampf gegen das „jüdische Christentum", das sie durch den Kult der alten German eng ötter ersetzen will. - Nie christliche Religion D also ans EnAand importiert«

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