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Im deutschen Reich · 1917-06-01 · Heft 6 (Juni 1917) · p. 272

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 6 (Juni 1917)
Article
Gustav Meyrink
Date
1917-06-01
Page
272 (sequence 2)
Language
German
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272 Im Deutschen Reich. guten SesHmack) Las moralische oder nationale Empfinden Zit verletzen. 'Wir wissen nicht, oö Meyrink Ln jenen Stellen eigene Meinungen ausspricht oder irgendwelche handelnden Personen diese Meinungen in den Mund legt — man Team von uns wirklich wicht verlangen, daß wir jetzt — •— „Izzt Pizzi" lesen. Sind die Aeußerungen einem Helden der Erzählung zugeschrteben, den sie kennzeichnen sollen, dann kann rnan Meyrink für sie ebensowenig verantwortlich machen wie Shakespeare für die Moral Richard III. Man könnte ebensogut gegen Schiller die Ausspruchs Franz Moors ins ^eld führen. Im Aebrigen ist es wahrlich nicht unser Beruf, für Herrn Mehr in? einzutreten. Er steht den Leuten her „Wahrheit" anscheinend viel näher als uns. Wenn diese Feststellung ihn schmerzen sollte, dann mag er sich für sie bet seinem „Golem" bedanken. Herr Meyrink ist jedenfalls kern Jude, so wenig wie seine Mutter, die geniale Schauspielerin Marie Meyer jemals Jüdin war. Er ist niemals ein Jude gewesen, wie vielleicht schon daraus hervorgeht, daß die „Wahrheit" es behauptet^ Lügen haben kurze Beine, sagt man, die „Wahrheit" hat sogar! nur — Gänsefüßchen, Rriegsksnrmifsion für rituelle Lebensmittel. Auf Veranlassung des Präsidenten drrs Kriegsernährungsamtes ist zu ferner Unterstützung in allen die rituell lebende jüdische Bevölkerung betreffenden Leöensmiitelsragen die Kriegskommission für rituelle Lebensmittel in Berlin gebildet worden. Eine rituelle O elmagarine wird lediglich an alle abgegeben, die auf anders Fette, auch Butter, verzichten. Die Wochenmenge ist zunächst auf 50 Gramm für den Kopf festgesetzt worden. Die Kriegskommisston ist bestrebt, bei Besserung der Fettverhaltnisse die Zuteilung günstiger zu gestalten, Die Bedrückung öer Juden. Die Petersburger Zeitung „Dien* schreibt: „Ein bekannter Schriftsteller, der länger als zwei Jahre als Mitarbeiter des allrussischen Städteverbarides für die nokleidende Bevölkerung Galiziens und der Bukowina tätig war, hat an den russischen Ministerpräsidenten und den Minister des Aeußern ein Memorandum gerichtet, in. dem er auf die bedrückte Lage der jüdischen Bevölkerung der genannten Gebiete hinweistz Dbm ersten Tage der Okkupation an werden die Juden außerhalb des Gesetzes gestellt. Die Juden wurden überall! aus den Magistraten, Gerichten und anderen Institutionen verjagt. Die jüdischen Hilssver bände, die sich mit wohltätigen und kulturellen Aufgaben befaßten, wurden aufgelöstdie jüdischen Vrundbesitzer, Pächter, Händler und Handwerker aus den Dörfern ausgewiesen, wobei man bei den Gutsbesitzern alles beschlagnahmL hak. Aus vielen Städten und Ortschaften wurden die Juden ohne Ausnahme ausgetrieben und nach Rußland transportiert. In anderen Orten wurden viele wohlhabende und intelligente Juden als Geißeln mitgenommen und nach Sibirien verschicke In Tausenden von Geschäften und Privat Häusern wurden die Waren und Möbel amtlich beschlagnahmL und ohne weiteres weggenommen. Die russische Verwaltung zwingt die Inden, am Saöbath die Straßen zu reinigen, Schützengräben ausznheben und in den Städten ihre Verkaufsläden offen zu halten. Mit wenigen Ausnahmen wurden alle jüdischen Vethäuser vernichtet oder in Kasernen wenn nicht Pferdeställe, um gewandelt. Das Memorandum spricht die Hoffnung aus, daß die neue russische Regierung dis in Rußland die Menschen- und Bürgerrechte feierlich praklamiert auch die Lage der jüdischen Bevölkerung der besetzten <§$g verbessern wird.

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