Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Exzellenz v. Schmoller's Universitäts-Statistik
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Im Deutschen Neich.- sichergestellten Tatsachen beruht. Von einem Manne, dem exaktes Denken und Forschen in Fleisch und Blut übergegangen ist, der als Nationalökonom vom höchsten Range insbesondere außerordentlich gut versteht, Statistiken zu machen und zu verwerten, kann mau nicht anders erwarten, als daß seine öffentlichen Behauptungen zahlenmäßige Belege als Grundlagen haben. Herr von Schmoller hat solche nicht veröffentlicht, sondern sich damit begnügt, seine Behauptung gleichsam als Phrase kurzhin auszusprechen. Er hat andern den Beweis des Gegenteils zu liefern überlassen. Die Katholiken ihrerseits haben bereits in der Kölnischen Volkszeitung die Behauptung Schmollers als gänzlich unberechtigt zurückgewiesen. Daraus einzugehen haben wir hier keine Veranlassung. Aber uns liegt es ob, zu prüfen, wie weit die Behauptung des Herrn von Schmoller in bezug aus jüdische Professoren und jüdische Klinik-Assistenten der Wahrheit entspricht. Herr von Schmoller hätte, wenn er gewollt hätte, seine Behauptungen selbst prüfen können, an der Handeines bereits vorhandenen Materials, nämlich der von Justizrat Bernhard Breslauer im Aufträge des „Verbandes der Deutschen Juden" im Jahre 1911 herausgegebenen Denkschrift „Die Zurücksetzung der deutschen Juden an den Universitäten Deutschlands". In dieser recht, lesenswerten Schrift, welche die Verhältnisse an den deutschen Universitäten von 1874—1910 in drei Jahresperioden miteinander vergleicht, weift Breslauer in einer sehe sorgfältigen und bis ins einzelne gehenden Statistik nicht nur für alle Universitäten, sondern auch für alle Fakultäten und nicht nur für die ordentlichen Professoren und PrivaLdozenten nach, daß sich in dem genannten Zeitraum die Verhältnisse für die Juden allmählich immer mehr verschlechtert haben. Aus den von Breslauer mitgeteilteu Tatsachen sei hier, als für unsere späteren Auseinandersetzungen besonders wichtig, nur die eine hervorgehoben, daß von allen ordentlichen Professoren der deutschen Universitäten im Jahre 1910 nur 24";, Juden waren. Breslauer zieht daraus unter anderm folgende Schlußfolgerung: „Wäre von den jüdischen Universitätslehrern ein gleicher Prozentsatz in die höheren Stellen eingerückt, wie dies bei den christlichen Universitätslehrern der Fall war, so müßten drei- bis viermal soviel Juden Ordinarien sein, als es tütsächlich geworden sind." Wie nun die tatsächlichen Verhältnisse sechs Jahre später, als Herr von Schmoller seine antisemitische Philippika in die Öffentlichkeit schmetterte, lagen, das zu prüfen haben wir uns der besondern Mühe unterzogen. Aus Grund der Personalverzeichnisse der deutschen Universitäten vom Winter-Semester 1910 bis 1917 sind die Verhältnisse von neuem feftgestellt worden. Da hat sich nun folgendes ergeben: