Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- Juden und juristischer Staatskonkurs
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 224 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316869-2352113--27210-2352213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
224- Im Deutschen Reich. die Halste, und im Felde standen 6, d. i. ein Viertel, gegenüber eine::: Siebentel Richtjuden. — „Durch diese feststellungen des Albg. Kohl sind," so schreiben die Münchener Reuesten Nachrichten, „die .von gewisser Seite gegen die jüdischen Rechtspraktikanten und gegen ihre militärische Ehre gerichteten -Angriffe somit auf! das n a ch d r ücklich ste wiLerlegr w o r p e n. Sine Aunögebung treuer Anhänglichkeit an das deutsche Stammland seitens eines Juden von deutscher Herkunft entnehmen wir einem uns zur Verfügung gestellten Briefe aus Holland. Da heißt es u. a.: „Ihr habt vielleicht in der Frankfurter Zeitung gelesen, daß ein Holländer, der wegen Beleidigung eines Deutschen 31t F. 25.—■ bestraft worden ist, auf der Börse deswegen Ovationen und Blumen empfaugen hat. Der Beleidigte und Kläger war Ernst. Beim Rasieren hat der Kerl unflätig auf die Deutschen geschimpft, was Ernst sich verbat. Als er nun fertig war und seinen Hut holen wollte, der hinter dem Börsenmann hing (R.V. Christ, wie die meisten hier) sagte der: „ik ovtronw dat moffenting achter me niet." (Ich traue dem deutschen 'Gesindel hinter mir nacht.) Der Richter fragte Ernst, wie er, der hier geboren und Holländer sei, sich beleidigt fühlen könne. Ernst antworteteer fühle sich i u seine n Elte r n beleidigt und außerdem sei doch „moffenting" nsw. Wohl genügend beleihigend. Deswegen wurde der Betreffende dann auch verdonnert. Aber diese Börsen-- ovation ist doch Wohl der Gipfel! Manche Effektenmakler waren hier allerdings von jeher wegen ihrer Straßenjungenmanieren berüchtigt, aber immerhin seht Ihr daraus, in welch angenehmer Amgebuug wir leben. Ra, es wird auch mal anders. Sonst habe üch heute nichts zu berichten. Heber den Hilf-bunö für Soldaten jüdischen Glaubens wird uns folgende Auskunft zuteil. Der Hilfsbund bezweckt, aus Vereinsbeiträgen Mittel aufzubringen, nur den im Dienste des Vaterlandes in ihrer Gesundheit beschädigten deutschen Feldzugsteilnehmern jüdischen Glaubens, welche rituell zu leben wünschen, Gelegenheit zu geben, in einem eigenen Heim innerhalb des deutschen Reiches! Genesung und Erholung zu finden. Rachdem dieser Zweck in der Öffentlichkeit weiter bekannt geworden ist, hat der Reichsausschuß der Kriegsbeschadigtenfürsorge sich an den Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin gewandt, um seine Bedenken gegen die Durchführung des oben wiedergegeöenen Zwecks mitzuteilen. Der Gemeindevorstand hat sich demgemäß über den Antrag des Reichsausschusses schlüssig gemacht und hat eine Kommission beauftragt, deshalb mit Lern Hilfsbund in Verbindung zu treten. Es scheint dem Hilfsbund nicht bekannt gewesen zu sein, daß .für rituell lebende Soldaten, die infolge Kriegsbeschädigung innerhalb des Deutschen Reiches Genesung und Erholung suchen, bereits in a u s r e i ch e n d e r W eise b u r ch c i u e c n t s p r c ch c n de L i n - richtung bei m R10 t c 11 K r c 213 F ii r sorge g c t r 0 f f c n ist. Diese Einrichtung wird Oon der Llbteilung IX der V-äders und AnstaltssürsOrge der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz unterhalten. Die Erledigung der Geschäfte der Einrichtung erfolgt durch einen Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, welcher in jener Abteilung tätig ist. Hiernach dürste es sich empfehlen, daß der Hilfsbund den oben angegebenen Zweck nicht weiter verfolgt. Für die jüdischen Kriegsbeteiligten wie für die Gemeinschaft der -deutschen Juden überhaupt ist es nad) politischer und sozialer Richtung von sehr großer Wichtigkeit, daß für sie in gleicher Weise wie für die christlichen Kriegsteilnehmer Fürsorge getroffen, und daß diese Fürsorge für alle Teile gemeinschaftlich ausgeübt wird.