Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Zur "Neuorientierung"
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 183 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischte 183 beachtenswerte Auslassung. Wir lesen da u. a.: ,.Man mehrt, daß nach dem Kriege der Antisemitismus' aufs schärfste wieder einsetzerr werde, und daran mag etwas Wahres sein. Aber man übersieht, daß, die Art, wie die Juden während! des Krieges ihre vaterländische Pflicht erfüllen, nicht unbeachtet bleuen kann, und daß. sich jedenfalls die Staasverwaltung nicht den Luxusldes Antisemitismus wird, gönnen können. Immerhin werden die Juden nach wie vor in Verteidigungsstellung verharren müssen. Dazu aber ist notwendig, daß sie unter sich einig sind. Der Gegensatz der Parteien mag bestehen bleiben, nach außen aber dürfen sie nur eine kompakte Masse bilden, wenn sie Erfolg haben wollen. Deshalb muß die bisher geübte Praxis aufhören, nach der eine Partei die andere auch nach außen hin befehdet. Es darf nicht mehr Vorkommen, daß die eine der anderen bei den Staatsbehörden entgegentritt und sei es auch nur auf Hintertreppen und mit Hilfe Andersgläubiger angesehener Persönlichkeiten. Es darf nicht mehr Vorkommen, daß eine Partei der anderen das Judentum abspricht und ihr Deutschtum herabsetzt. Wir haben in unserem deutschen Vaterlande unsere „rechtlich gesicherte Heimstätte" und tauschen sie mit keiner anderen. Wollen andere es anders, so mögen sie ihre Ziele verfolgen, uns aber sollen sie dabei in Ruhe lassen. * Auch die Art, in der eine Partei die andere angreift, muß sich ändern. Angriffe, wie sie gegen Hermann Cohen, Cäsar Seligmann und Ludwig Geiger gerichtet worden sind, müssen unmöglich sein.- Keine Partei hat das Recht, sich der Schuljugend zu bemächtigen. Die Schule muß frei vou allen Parteikämpfen bleiben, wenn sie selbständige Männer und Frauen erziehen will. Wer den Parteigerst in die Schule trägt, vergiftet das kindliche Gemüt, Line jüdische Renaissance in Madrid. Im „Jüdischen Echo" lesen wir: „Wer hätte das geglaubt? Wer hätte jüdisches Leben vermutet in dem Laude, in dem sich die grausamsten unid traurigsten Ereignisse unserer Geschichte abgespielt haben! And dennoch hat Sevilla eine aus marokkanischen Juden bestehende jüdische Gemeinde, Barcelona hat auch eine, und eine dritte hat sich gerade in Majdrildj gebildet. Der Schöpfer der kleinen Kolonie in Madrid ist ein französischer Jude, Herr .Albert Salvedo. In seinem Hause konnten unsere Glaubensgenossen sich zu den hohen Feiertagen treffen, dank der Hilfe des Herrn Farache aus Gibraltar, der seit dreißig Jahren in Madrid ansässig, immer seinen Einfluß geltend gemacht hatte, um den Spaniern die Irrtümer ihrer Vergangenheit klar zu machen, die sie immer bereut haben und die, eingestandenermaßen, die Periode der Dekadenz bei ihnen einleiteten. Herr Farache wurde ein wichtiger Mitarbeiter an der edlen Mission, die von dem bekannten Senator Dr. Angel Pulido unternommen wurde, der wiederum wirksam unterstützt wurde von einem talentierten Publizisten, Senor. Rafael Causinos Assens. Wie Dr. Pulido arbeitete und wie unser Glaubensgenosse Dr. Iahuda nach Madrid kam und zum Professor der hebräischen Sprache und Literatur an der Madrider Universität ernannt wurde, ist schon bekannt. Die Bildung der Madrider jüdischen Gemeinde ist Dr. Iahudas Werk. Die hohen Feiertage wurden mit ungewöhnlichem Eifer im Hause des Herrn Albert Salvedo gefeiert.- Der Gottesdienst zu Rösch haschana und Jom Kippur wurde von 4 Herren geleitet: Herrn Woise Salvedo (einem Bayonner Rechtsanwalt,) F. Farache, S. Welamed und F. Alchele, früherem Direktor der Handelsschule in Saloniki, Herr Salvedo, früherer Student des Rabbiner-Seminars in Paris, war mit dem Scho far-V lasen betraut worden.- Die Laute, die vom Munde eines wahren Abkömm-