Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Eine stürmische Sitzunge
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 182 (sequence 2)
- Language
- German
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182 Fm deutschen Reich, durch besondere §efltcjicü der Debatten aus. Auf der Tagesordnuug standen drei sjü bische Punkte: Die Abstimmung über das Projekt eines Schulrates und über die Vorschläge der judrschnationalen Parteien bezüglich dieser Gesetzesvorlage, der Bericht der Kommission über Las. Recht der „Langgekleideten", den Stadt- Park zu betreten und die Frage der jüdischen Reservistenfrauen, die mangels eines st a n d e s a m t l t ch e n Trauscheines keine Regierungsunterstützung erhalten. In der ersten Frage erlitten die Inden eine Niederlage, die beiden letzten Fragen wurden zugunsten der Juden entschieden. Di-e heftige Debatte aber, die sich an die Erörterung der zweiten Frage knüpfte, charakterisiert am besten die Verhältnisse der Warschauer Stadtverwaltung. Die Kommission selbst befürwortete den Antrag der Volkspartei, die kAlssschrift „Betrunkenen, Hunden und Lauggerleideten ist der Eintritt verboten" zu entfernen, da sie der Meinung war, daß im Interesse des Stadtgartens nur das Fernhalten von Schmutziggekleibeten, nicht aber die Beleidig,urrg der Freden liege. Diese Rede des Berichterstatters erregte die Unzufriedenheit der antisemitischen Ratsmanner. Stadtrat Prilntzki nannte den Berichts der vor- Mials zur Ausschließung der „LanggekleideLen" geführt hatte, unter dem Tumult der Antisemiten „ein schändliches Dokument". Zentrum und AntifsuMisnrus. Die D> e n t f ch e Israelitische Zeitung tu Regens bürg schreibt in ihrer Ar. 13. vorn 29. März über die Stellung des Zentrums zum Judentum u. a. folgendes: ..„Was das Zentrum betrifft, so steht festz daß. es schon vor Jahrzehnten durch Mallinckrodt, WindLhorst, Lieber und Pfarrer Dr. Frank den Inden in allen religiösen Fragen, wie insbesondere bei Aufrechterhaltnng des rituellen Schächtens, jederzeit beistand. Der Abg. Helds 1. Vorsitzender des Bayerischen Zentrums, ist in die Fußtapfen Windthorsts getreten, was wir dankbar anerkennen. Daß das ganze Zentrum wegen einzelner Aenßerungen für antisemitisch erklärt'wird, halten wir nicht für richtig. Wir für unseren Teil -Mten es nicht für politisch klug und durchaus nicht den Interessen, des I' wntums dienlich, wenn versucht wird, eine Partei wie das Zentrum jür antisemitisch, zu erklären." Dazu bemerkt die Augsburger „Postzeitung": „Die Ausführungen der orthodoxen israelitischen Zeitung sind nur zu begrüßen. Es ist eine durch nichts bewiesene Behauptung des freigeistigen Judentums, das Zentrum sei judenfeindlich und antisemitisch. Windthorsts Ideale sind auch dem Judentum gegenüber heute noch in voller Geltung, und heute wie in den ersten Tagen der Zentrumspartei wird diese für alle berechtigten religiösen und sozialen Interessen ihrer israelitischen Mitbürger eintreten." (Wir unsererseits haben das Zentrum und seine berufenen Organe niemals für antisemitisch angesehen oder gar verrufen. Dazu ist in der Partei die große Aeberlieferung derWindthorst, Schorlemer, Mallinckrodt, Reichensperger noch zu lebendig. Wir werden übrigens demnächst einen noch unveröffentlichten Brief Windthorsts aus der Blütezeit des Antisemitismus veröffentlichen. D. Red.) Lin Sxna§oaen-Ronzert zugunsten der Laudessammlung für den Heimatdank fand am 1. März in der Synagoge zu Dresden statt. Das geschmackvolle Programm wies Tonschöpfnngen von Lewandowsky, Kirschner, Joachim, Buttermund auf, Künstler, die den Stolz der Dresdener Hofoper bilden, wirkten mit, das Programm-Buch aber war von besonderem künstlerischen Reiz. Zur „Lleuor'i/enLierung" veröffentlicht Fustizrat Bernhard Breslauer in der Monatsschrift Liberales Judentum eine sehr