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Im deutschen Reich · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · p. 85

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Article
Es ist nicht immer Böswilligkeit
Date
1917-02-01
Page
85 (sequence 2)
Language
German
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B5 Vermischtes. diese ^Dnfojr^H^Bcjctdjnung wird stets nur angewendet, wenn es sich -um einen ^luicl Pandel t. Man wird nie Itftiz: „Der Jude A< hat eine hohe Summe für die Verwundeten-'Fürsorg<, für das Rote Liren.; gestiftet, hat dies oder jenes grosse ^r^icnst sich erworben. Brachte da Ende 'August NN6 die „^carddeutfÄie LUIg. Ztg." — gewiß fein antisemitisches Blatt — anscheinend ans amEUchcr Onelte einer: Artitel „Dantes Hölle in 1Ku$ten£>" fet dem es u. a. hieß: „Der Arbeitgeber Anapolski Hst verschiedene solche Morde auf dem Gewissen. Mit G^chwür-cn bedeckte Und franke Gerangene werden unter seiner Aussicht mit Peitschenhieben zur Arbeit getrieben und dazu noch von den Inden Wienik und Friedmann um ihren Lohr: betrogen '. . Der vielfache Mörder rrrrd Folterknecht Ariapolski wird einfach als der „Arbeitgeber" bezeichnet, di^ btfbcn ob-er, die jene armen Geschundenen angeblich „um i-bren Lohn betrügen" —- in anderen Berichten war zu lefcu, das; sic überhaupt leinen Lohn erhalten, — sind „die Juden." Und dies weil der eine Name, FriedmannH die Vermutung erweckt, er könnte ein Jude sein. Sehr möglich, das; dem Verfasser des Berichts wie der amtlichen Stelle, die ihn ,;rm Druck gab, jede feirrdselige Absicht fern lag, sicher aber ist, dag der Bericht' antisemitisch ausgebeutct wird. Arnold Awcras „Aitnalmord in 71113cm:" Jüdische Tragödie tu 5 Aufzügen, wurde vom Stadttheatcr in Frankfurt a. M. zur Aufführung angenommen. Die Handlung folgt dem Gange des weltbctannten Prozesses von Tisza—Eszlar. Das Stück ist int h h p e r i 0 n - V e r l a g , B e r l i n in einer Buchausgabe erschienen. Der Titel des in seiner Tendenz gewiß unanfechtbaren Stückes kann peinlich berühren, da er einen „Nitnalmord" als etwas Vorhandenes vorausschcn läßt, die Persönlichkeit des Dichters läßt alle Bedenken schwinden. S« hak in Perliner Pankkreitcn. so schreibt man uns, mit Accht ein gewisses Aufsehen erregt, daß die Firma Naehmel u. Boellcrt, Iägerslraße 59/r>0 in Nummer f>91 der Beilage der „Berliner Börsenzeitung" vorn 17. Dezember 1916 einen „christ«,- l i ch e n" Lehrling sucht. Zsur Frage der Ronfesfionsstatiskik im Heer veröffentlichtes kürzlich ein Zcutrumsblatt, die „Aheinische Vol'kszeitung" in Wiesbaden, eine Acnßernng, die uns bemerkenswert scheint^ Nach Beleuchtung der großen' Opfer, die unsere jüdischen Staatsbürger in diesen: Kriege gebracht haben, nach Erwähnung der vielen Gefallenen insbesondere, heißt es da weiter: „Freilich wird' die Ziffer? der jüdischen Gefallenen durch zwei Momente ungünstig beeinflußt, einerseits vermehren die vielen infolge des staatlichen und gesellschaftlichen Druckes getauften jüdischen jungen Leute, deren Eltern noch dem Judentum'angehören, die Zahl der christlichen Gefallenen ünd vermindern die Fahl der jüdischen, andererseits weisen die Inden als vorwiegend bürgerliche und städtische Bevölkerung dieselbe Erscheinung ans,- wie die bürgerlich-städtische Bevölkerung christlichen Glaubens, d. h., sie haben eine weit geringere Kinder» zahl, als es nach dem Neichsdurchschnitt sein sollte. Diese Umstände aber können nicht die Tatsache verdunkeln, daß Zehnt aus ende von Juden für das Vaterland geblutet haben und mit Auszeichnung kämpften. Gerade bei der geringeren Kindcrzahl der Juden ist der Tod des einzigen Sohnes oder der beiden, einzigen Söhne, vielfach des einzigen Kindes, wie er in überaus zahlreichen Familien zu beklagen ist, doppelt tragisch, und es ist wahrlich ein bitteres Gefühl, nicht nur für den Deutschen jüdischen

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