Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Article
- Jahresbericht des Krankenhauses der Barmherzigkeit zu Königsberg i. Pr.
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 83 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 83 Ortes eingerichtet wurde, und es berührte doch sehr eigentümlich, in diesem HeLigtume die Krankenbetten zu sehen und'den Platz, des Vorlesers mit allerlei medizinischen Geraten, bedeckt zu finden. Aber die Verhaltung der Verwundeten entsprach durchaus der Mürde des Ortes." lieber einen Fall gesunder Selbsthilfe wird uns aus einer sächsischen Stadt berichtet. Dort hatte eine Zeitung einen autrsemitischen Artikel veröffentlicht. Die dortigen Inden haben darauf einhellig dem Blatte die Anzeigen entzogen, was zur Folge hatte, daß auch viele christliche Konkurrenten der Inden' in dem Blatte nicht mehr anzeigten. Bach einigen Wochen erschien der kaufmännische Leiter jener Zeitung der Herrn Dr. (§., einer führenden Persönlichkeit in der jüdischen Gemeinde. Gr klagte, daß dem Blatte bereits ein Schaden, von 25 000 Mark entstanden sei, und bat um die Vermittlung für eine Verständigung mit den jüdischen Kausleuten. Der Verlagsleiter verpflichtete sich schriftlich, daß das Blatt antisemitische Ausfälle künftig nicht mehr bringen werde, woraufhin die jüdischen Kanftente dem Blatte rhre Anzeigen wieder zuwandten. Das Beispiel sei zur Nachahmung empfohlen. Niemand kann verlangen, daß wir in einem persönlichen und geschäftlichen Verkehr mit denjenigen bleiben, die durch Beschimpfung lunsere Ehre, durch Verleumdung unjare Rechte schmälern wollen, oder gar, daß wir diejenigen wirtschaftlich stärken, die uns moralisch schwächen wollen! Die zunehmende antrsenritische Gemüts- und Geistesverseuchung kennzeichnet die folgende Zuschrift einer Berliner Dame: ,,Ich war am Sonntag Nachmittag Znhöreriu einer Rnterhaltung, die in einem Cafe im Innern der Stadt au meinem Tisch zwischen einem Herrn.!nnd einer Dame geführt wurde. Beide schimpften in den niedrigsten Ausdrücken, auf die Juden, und. der Herr äußerte, daß das „Judenpack ausgeschwefelt werden müßte. Man müsse die Russen hereinlassen, um diese Schwefelbande zu Verb renn »u." Ich ließ es mir nicht nehmen» den Beiden gründlich die Meinung zu sagen und darauf hinzuweiseu, daß ich selbst Jüdin bin, meinen einzigen Bruder auf dem Felde der GHIre verloren habe, wahrend ein Vetter .von mir in einem Berliner Lazarett auf den Tod daniederliegt und ein anderer Vetter seit 0 Monaten vermißt wird, aller Voraussicht nach also auch sein Leben für das Vaterland gelassen hat. Allein, kann denn nicht endlich einmal etwas geschehen, um die Juden, nach all den Opfern, die sie in gleichem Werse, wie die Andersgläubigem, für das Vaterland gebracht haben, vor derartigen Verunglimpfungen und Beschimpfungen zu schützen, die man sich rücht scheut in öffent* lichcn Lokalen vorzubringen?" Personalnachricht. Der Kaiser besuchte jüngst, mit dem Kronprinzen, die Armeeabteilung von Strauß. Der Kaiser ließ sich bei dieser Gelegenheit den Ar meerabb irrer L>r. Klein vorstelleu und zog ihn in ein Gespräch. — Der Landtagsabg. Lyzeumsdirektor a. D. Albert Ernst ist Mitte Januar in seiner Wohnung zu Charlottenburg im Alter von 69 Ialwen gestorben. Dir. Ernst, ein Schulmann von hervorragenden Gaben und rührendinniger, verständnisvoller Liebe -für die Jugend wie für das Erziehungswesen, gehörte als Politiker der freisinnigen Richtung an. In den Tagen der heftigsten Wahlkämpfe im famosen Wahlkreis Arnswalde-Frieoeberg trat er als eifriger, tampfg-stählter Gegenkandidat dem Geschästsantisemiten Ahlwart gegenüber. Im Abgeordnetenhaus vertrat er den Mahlkreis Samter-Birnbaum.