Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · p. 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Article
Immer die Juden!
Date
1917-02-01
Page
82 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316864-2316866-2351533--26809-2351660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

82 Im Deutschen Reich; name Lewis ihres amerikanischen Vaters einfach tu ,,Levh° um* gewandelt wird. In derselben Rümmer des „Hammer" heißt es: Vom allgewaltigen Aorthcliffe, dem Manne, der durch seine 50 Zeitungen nicht'nun die öffentliche Meinung in. England, sondern die englische Regierung selbst regiert, haben wir des öfteren berichtet (Vergl. „Hammer" Nr. 312.) Jetzt scheint man endlich auch -in seiner ÄDoptiv-Heimat (seine Vorfahren sollen aus Frankfurt a. M. stammen und totem geheißen habrn) ihn richtig würdigen zu lernen. — Mer ein chißchen in englischen Politik Bescheid weiß, der weiß, daß Lord Rorthcliffe ein echter Engländer ist und Harmsworth hieß, ehe er ins Oberhaus berufen wurde. Mer, so bemerkt die „Welt am Montags wie gewisse Leute überall weiße Mäuse, so sehen die Antisemiten überall Juden. Lehrreiche Gerichtsverhandlungen. Seit einiger Zeit habe ich oft Gelegenheit, kurzen Schöffcugerichtsverhandlungen betzulwohnen, teils in Berlin, teils in Charlottenburg. Die meisten drehen sich um Verstöße gegen die Bestimmungen über den Verkehr mit Nahrungsmitteln. Angeklagt sind zumeist kleinere Geschäftsleute, die sich in ihrer neuen. Wichtigkeit und Würde so groß Vorkommen, daß sie das Publikum auf alte mögliche Weise zu schikanieren versuchen. And mich erinnern diese Verhandlungen an einen Vorgang, den ich einmal in eurem Grünkramladen in Wilurersdorf erlebte, Icl< befand in ich tu demselben, als die Inhaberin, eine richtige derbe Berliner Hölqrin, zu. den Kunden anläßlich der ber ihr vorübergehend eingetretenen Kartoffelknappheit sagte: „Daran istt bloß der verd . . Jude schuld." — Diese Worte merkte ich mir, und bei allen Schöffcngerichtsverhandlnngen obengenannter Art, denen ich beiwohnte, und es waren mindestens ihrer fünfzig, stand fein einziger Jude auf der Anklagebank, sondern nur Kollegen unid Kolleginnen jener Grüukramfran'mit der etwas schiefen Auffassung über die Schuldfrage bei der Kartoffelknappheit. .And ich besuche oaraufhin weiter diese Verhandlungen und werde getreulich Mitteilung machen von dem ersten Fall, in dem ein Jude wegen Verstoßes gegen eine der zahlreich cn Bestimmungen über die Handhabung der Verteilung von Lebensmitteln verurteilt werden wird. Wie gesagt, bisher ist ein Jude in allen Prozessen nicht einmal angeklagt, geschweige Denn verurteilt. Dein Jahresbericht des Krankenhauses -er Barmherzigkeit^ zu Königsberg i. Dr. seien einige bemerkenswerte Stellen entnommen. Da heißt es einmal: „Lieblich und erquickend ist eine Geschichte aus Suwalki, die uns die Schwestern aus der Zeit erzählten, als nach Einrichtung der Arbeit noch kein Eeist» lich er vorhanden war, da hatte sich der fromme Rabbr des Ortes der Verwundeten und Sterbenden treulich angenommen. kWeil er aber nur im alten Testament Bescheid wußte, so ließ er sich das heilige Vaterunser aufschreiben und lernte es und las es den Schwestern vor, ob er mtd> altes richtig »ausspreche. Dann hat ev -es den Leidenden und Sterbenden 'nach seinem Trostworte zum Schluffe gebetet, um ihnen auch ihr heiliges Gebet zu übermitteln^ Diese Hilfe und Weitherzigkeit soll ihm unvergessen sein." An einer anderen Stelle lesen wir: »»Hier irr IohanniSourg erfuhren! wir, was aus den Liften nicht hervorging, daß ein kleines Häuflern von Altonaer Schwestern 30 Kilometer weit in Kolno jenseits der Grenze arbeitete. Darum wurde der Magen noch schnell. dorthin gelenkt. Die Straße jenseits der Grenze war recht schlecht; aber der Besuch lohnte sich doch, jweil die verernsamten Schwestern sich sehr darüber freuten. Die eure Schwester arbeitete in einem Lazarett, das in der Synagoge des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.