Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Article
- Aus Chemnitz [Nachricht]
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 79 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 70 hielt aut Sonntag, den 28. Iannar im Theatersaal des zUnlsmönnischcn Vereins eine stark besuchte Versammlung ab. Nach einleitender warmherziger Begrüßung durch den Vorsitzenden gerrn Leopold Eg er hielt der stellvertretende Syndikus des Eenti'dTlu'rcith’* V)crr Bechisanwalt Boehrn einen Vortrag über die Lüligleil dec< Vereins, über die Aussichten uud -Aufgabe»: der Zeit nach dem Kriege. An die sehr anregerDen ^lusführungerr schloß sich cmc lebhafte Debatte, in der vielfach mit Aachdruck darauf hingewiesen wurde, das; der Verein aus Selbsterzwhinrc; der Inden hinwirken und mit Eifer allen Ausschreitungen gegen Juden, aber auch etwaigen Ausschreitungen von Inden cntgegenwirkcn solle. Die Ehernnitzer Ortsgruppe hat erneu sehr stattlichen .Milgliederzttwachü zu verzeichnen. Ein ..2<erzen-U)ucher" scheint sich vorznbereiten. Wenigstens warnen viele Provinzblätter, aber auch Behörden, vor .Kerzen-Auficntfern. Daran wäre weiter nichts airffallend, wenn nicht die Behörden in ihrer: amtlichen Bekanntmachungen von „In- und ausländischen Iluden" sprechen würden, die'als Aufkäufer erscheinen und vor denen also „gewarnt" wird. Wegen dieser ungerechtfertigten» das' Gefühl der Juden aufs tiefste verletzenden Fassung der amtlichen Bekanntmachungen wandte sich der Eentralverein Derltscher Staatsbürger jüdischen Gla»lbens mit seinen Vorstellungen beschwerdcfiibrend an der: Herrn Alinijter des Irnrern. hierauf ergirrg unter dem.!. Februar ein Bescheid, irr dem, S. Eirzell. der Herr Minister v. Gebell sagt, er habe den Herrn Regierungspräsidenten in Oppeln darauf hingewiescn, daß die Warnung im Amtsblatt vorn 38. Dezember sachlich zwar berechtigt war, der Ausdruck „in- und ausländische Jude»:" jedoch „besser vermieden worden wäre. Denn er ist, wenn auch unbeabsichtigt, irr dieser Allgemeinheit geeignet, vor: der: beteiligter: Kreisen als eine Herabsetzung der Inder: als solcher ausgefaßt zu werden"'. Auch der: anderer: beteiligten Behörden wie den Provinzblättcrn hätte es — trotz der Kerzcnteuerung - einleuchten können, daß für das K'erzenanfkaufen der Glaube der Käufer ohne Belang ist. Der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands (Geschäftsstelle Eharlottenburg, Dernburgstr. 46) übt auch während der Kriegszcit eine ersprießliche Tätigte:: aus. Der Verein sandte auf «Anreqrrug der Militärbehörde Sämereien und Pflanzer: nach Polen, mit bcu dortigen ackcruird gemüseb-antreibendeu Inder: zr: helfe»:. 'Der Verein pachtete ferner ir: Eharlottenburg ein größeres Garteugelände, unt da der jüdischen Jugend Gelegenheit zur Betäligung und zur Eiusuhrnug in der: Gartenbau-Beruf zu geben. Der Verein hat eine ganze Anzahl jüdischer Jünglinge gut vorbereitet der Landwirtschaft' und dem Gartenbau zugeführt. Arrch die Ortsgruppen im Aeiche haben durch Schulgärten, Laubenkolonien und mancherlei Erleichterungen für den landwirtschaftlichen Beruf ersprießlich gewirkt. In den Bericht bezüglich der Gründung einer Ortsgruppe Veudorf-Sayn-Vatlender (Dezemberheft, Seite 270) hatte sich auch der Ncnwe des Herrn Prediger Hirsch eingeschlichen, der mit der Sache nicht befaßt war. Das sei auf Wunsch des Herrn Prediger Hirsch — derzeit im Felde — ausdrücklich festgestellt. Im Interesse der Aufrechterhaltung eines geordneten Betriebes wird gebeten, das Telefon des Vereins nur in dringenden Angelegenheiten kurz zu benutzen und weitere Einzelheiten tunlichst mündlich oder schriftlich zu erledige»:. Bureau des (£. V. d. St. j. Gl,