Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 63 (sequence 3)
- Language
- German
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.Am schau. 63 tischen Geschästsbetriebe bcbicucn sie sich der 'gleichen Tricks. Was wird jetzt nicht alles über jüdischen Kriegswucher, über Lebensmittelverteuerung, über jüdische Kriegslieferungcn gezetert. Wenn im entlegensten Winkel der Erde ein Jude vor Gericht gezogen wird, flugs hat ihn die wachsame antisemirische Spionage beim Wickel. Fünfundvierzig Zeilen, mehr als dreiviertel Spalte!: ihres Formats, luibmeu die „Deutsch Völkischen Blätter" Rümmer 103 einem Kaufmann Leopold Dukalsli, der irgendwo schlechten „Schuhsohlen-Ersatz" teuer verkaufte und dafür wegen KriegSwucherS die gebiihrende Strafe erhielt. Ob dieser Mann ein Jude ist, das wissen die Blätter selbst nicht, sie behaupten auch nicht, daß er es 'sei. Daß sie, gerade sie den Fall erwähnen, geniigt, um die Vorstellung 51t erwecken,- daß es sich |um einen Juden handelt. Was aber ist der Zweck dieses Kriegswucherlärms? Die Kapellmeister in diesen: Konzert wollen die Aufmerksamkeit von den Landwirten ablenken und die Proteste 'gegen den ländlichen Lebensmittelschacher überdröhnen. Da sind führende politische Persönlichkeiten, Organisatoren und Leiter des Ernäyrungsroesens in manchen Gebieten. Vieh Handel/ Getreidehandel sind monopolisiert. Es wird streng darauf gehalten, daß nicht ein einziger Jude in den weitverzweigten .Büros, im Einkauf oder Verkauf beschäftigt wird,- alle rein „arischen" Angestellten sind reklamiert, die Viehverwertungs-Gesellschaft allein erzielt Millionengewinne. Irr den ihm ergebenen Blättern aber erhebt der vielgewandte Führer dieser Bewegung die laute Klage, „die Juden", „die Indens sie verteuern uns die Lebensmittel, sie verkrieche:: sich in die Büros. Eine nicht gerade neue, nicht gerade rühmliche, aber doch eine bewährte Praxis. Gewiß mögen auch Hunderte von Juden in: Reiche am Lebensinittelhandel sich bereichern — die vielen Tausende die durch die Kriegsnot wirtschaftlich zugrundegehen, sieht man nicht. Schwerlich ist ein Prozent der deutschen Juden am Lebensmittelhandel oder Wucher beteiligt. Aber ist nicht die ganze Landwirtschaft mit dem Lebensnnttel.h.andel befaßt? Bereidjeru sich nicht auch Hie Gutsbesitzer und Lan-w^rte an unseren Ernährungsnöten? Die Städte stehen unter beirr schärfsten Scheinwerfern der Kritik, die Dörfer, die Gutshöse liegen, unseren Blicken entrückt, in wohltätigem Dunkel. Aber fragt nur einmal nach/ wie die Landwirtschaft jetzt vielfach in Glücksgütern schwelgt und im Luxus sich nicht genug tun kannL Wir sind weit davon entfernt, diese Ausnützung der Verhältnisse Wucher zu nennen. Die Verteuerung der Lebensmittel ist nicht bloß durch die Landwirte verursacht/ die es sich.nur gern und klug gefalle:: lassen, daß man ihnen — pjt zu ihrer eigenen