Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- Unterbringung der Juden in mittleren Beamtenstellen
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 24 (sequence 2)
- Language
- German
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24 Fm Deutschen Neich zur Hilfe, der denjenigen KriegsberwuudeLen, die sich für die mittlere oder untere Beamtenlaufbahn eignen, den Anstellungsschein verheißt. Diesen zu erhalten, sollte das Bestreben aller derjenigen jüdischen Kriegsbeschädigten sein, die dabei mithelfen wollen, der Gleichberechtigung der Juden zur Geltung zu verhelfen. Steine Kapitalabfindung, keine Gebühr für Nichtbenutzung sollte verlockend genug sein, um als Gegenwert für den Anstellungsschein begehrt zu werden. Was den Vorbehalt der Brauchbarkeit für die „mittlere und untere Veamtenlaufbahn" anlangt, so schrecke kein Arbeitsfrendiger vor dieser Forderung zurück, denn Intelligenz und Anpassungsfähigkeit in allen Lebenslagen machen es dem Durchschnitts-Juden von solider Schulbildung leicht, diese Grundbedingung zu erfüllen. Verfasser dieses, der seit nahezu 23 Jahren als Kommunalbeamter in der mittleren Verwaltungbeamten-Laufbahn steht, kann auf Grund reicher Erfahrung versichern, daß .ein halbwegs befähigter Mensch, der in dieser Laufbahn einmal Fuß gefaßt hat, keine besonderen Schwierigkeiten hat, sich zu behaupten. Nüchternheit, gebotene Zurückhaltung und vor allen Dingen der durch nichts zu beeinflussende Grundsatz, stets den „geraden Weg" zu gehen, das sind die Haupterfordernisse des Veamtenberufes. Darin soll und -muß der jüdische Beamte es sogar seinen andersgläubigen Kollegen: zuvortnn. damit er auch den leisesten Schein einer Bevorzugung vermeide. Vorgefaßte Meinungen, die jüdischen Beamten etwa ungünstig sind, durch musterhaftes Verhalten zu zerstreuen, das wäre die vornehmste Aufgabe solcher künftigen Beamten. Gelingt ihnen dies, woran bei der Fähigkeit uitb dem. nötigen guten Willen keinesfalls gezweifelt werden darf, so wäre das ein bahnbrechender Erfolg, der künftigen (Geschlechtern den Boden vorbereitet, aus dem die Saat des Ansehens und der unoerkümmerten Gleiche berechtigung der Juden kräftig emporschösse. Derartige Kultur- Pioniere wären auch in erster Linie dazu berufen, der jüdischen Sache mit gutem Erfolge zu dienen, indem sie durch ih. veredelndes Beispiel, manchen fernstehenden Glaubensgenossen zu sich heran zögen. Dieser letztgedachte Punkt ist zur Bekämpfung antisemitischer Strömungen keineswegs .so unbedeutend, wie er manchen erscheinen mag, denn dadurch, daß sich viele unserer Glaubeiisgenostlen den: öffentlichen Leben geflissentlich fernhalteu, wird nicht selten mehr gefehlt, als wenn sich einzelne in mißliebiger Weise hervordrängen. Auch die Gleichgültigkeit in Dingen des öffentlichen Lebens und der Allgemeinheit führt sehr häufig dazu, daß sich unsere Glaubensgenossen vielfach zurückgedrängt wähnen, weil sie als Antisemitismus auslegen, was zum großen Teil Selbstverschulden ist. Als leuchtendes Beispiel möchte ich deshalb