Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Der Weltkrieg und die Judenfrage [Rezension]
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 283 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücher scharr. 283 ist die Beleuchtung der Lage der Juden in Rußland wie in Polen und überzeugend wird dargetan, daß als wertvollstes, wichtigstes AuSwanderungsaebiet für die Ostjuden, als ihr Zukunftslaud, die Türkei -- nicht etwa nur Palästina — irr Betracht ko mint. Dü» Iubenheit hätte darum Grund, für die Erhaltung und Stärkung der Türkei zu wirken. Das Judentum aller neutralen Länder aber können mit seinen Wünschen und Sympathien nur auf der «Seite der Mittelmächte stehen. Hoffentlich wird die Schrift in den. neutralen Landern die ^ebüHrerrde Beachtung finden. —-u. Cohen, Hermann. 1. Religion und Zionismus. Ein Wort an meine Kommilitonen jüdischen Glaubens. 2. Antwort auf das offene Schreiben des Herrn Dr. Martin Buber an Hermann Cohen, (Sonderabdruck aus der 11. und 12. Kriegsnummer der K.-C.» Matter), Frankfurt a. M. 1916. „Für geistige Fragen ist und bleibt das beste Kampfmittel die positive Darlegung des gedanklichen Gegensatzes." Der wundeste Punkt im Zionrsmus ist seine Gleichstellung von Religiosität und Rationalgefühl. Buch „wir Nichtzionisten setzen keineswegs die Religion außer Verbindung mit der ^Nationalität»" betrachten aber dre Tlationalitat nur als ein anthropologisches Mittel für die Fortpflanzung der aus der Familie hervorsprießenden Religion. Als Nationalität sind wir im Staat nicht fremde, denn der Staat stiftet und begründet zwar die Natron, kann aber in dieser Einheit viele Llationalitaten vereinigen. Währeird so der Nichtzionist der Frage der jüdischen Nationalität volle Gerechtigkeit widerfahren laßt, erschüttert der Zionismus eine der Grundvesten der jüdischen Religion, den Begriff der messianischen Menschheit. Selbst die Aus* legung der Bibel leidet hierunter. Die Bibel darf sich unsere Iugend,- zümal die akademische, nicht entreißen lassen, sie muß ihr Studium pflegen, ihren Inhalt beherrschen, weil es keinen wirksameren Schutz gegen den Abfall gibt. Auch die Kenntnis der hebräischen Sprache darf nicht ein Vorrecht der Zionisten bleiben, „so viel Hebräisch muß jeder gebildete Jude sich anzueignen bestreben, daß er die wichtigsten Gebete mit der ganzen poetischen Kraft der Ursprache zum tiefsten Schatze seines Gemütes macht." Diese nichts weniger als polemischen Ausführungen des berühmten Philosophen erfuhren eine scharfe Zurückweisung im Heft 5 der neuen Zeitschrift „Der Jude"; sie wurde für Cohen die Veranlassung, zu der ^rage noch eimnal Stellung zu nehmen. Er zeigt den Zusammenhang seiner Ausführungen mit seinem „System der Philosophie", insbesondere seiner Ethik, deren Quintessenz die Idee des Staates ist, die es folgerichtig auch in unserer Religion wird. Der Schwierigkeit zwischen den Forderungen des nationalen Staates und unserer geschichtlichen Deraangenheit als isolierter Stamm gegenüber lautet: „ohne Vebabreoung bei allen freieren Juden in allen Staaten die Selbstverteidigung: wir wollen keinen eigenen Staat bilden, <. . . aber wir sind und bleiben eine eigene Religion. And zu deren Erhaltung sind und bleiben wir prinzipiell ein eigener Stamm, eine eigene Nationalität". „Allein und ausschließlich unsere Religion )ei Oer Anterschied zwischen uns und unserem Staate und demgemäß auch unserer Nation". Der Zionist aber, der alle idealen geschichtlichen Momente ausschließlich auf das religiöse Volkstum zurückführt, behält für das national-politische Bewußtsein an sittlichen Kräften des Geistes und Gemüts nichts übrig. -Das Problem, wie er eine zwiefache Nationalität in sich vereinigen kann, besteht für ihn nicht. Ms Illusion gilt ihm heimatsbewußtsein des modernen „Schemjuden", das Ghettobewußtsein erscheint als der wahre Gerst des „wirklichen" Judentums.