Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Fr. Fanny M., Hamburg
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 281 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefkasten. 281 Briefkasten. Fr. Farrnr LN., Hamburg. Bernhard Kellernrann hat inr Leben wie in seinen Schriften sein volles Verständnis für das Judentum betätigt und seinen Gegensatz gegen die Ausschrevlangen $iner rohen antisemitischen Bewegung deutlich genug zu erkennen gegeben. .Wenn er in einem Roman einen angeheiterten Menschen einige antisemitische Phrasen lallen laßt, in demselben Atemzuge übrigens auch einige gleich abgenutzte Schlagworte gegen die Altramontanen, so spricht sich darin wahrlich nicht die Meinung des Verfassers aus. Es gehört nur zur Charakterisierung der gerade im Roman behandelten Person, die keineswegs als Idealgestalt behandelt ist. Man könnte ebensogut Schiller für die Moral seines Franz Moor oder Shakespeare, für die Aussprüche Richards III. verantwortlich machen. So löblich eine gewisse Wachsamkeit und Empfindlichkeit eines regen Ehrgefühls beim Lesen sicherlich ist, so gut ist es doch auch, eine übertriebene Wehleidigkeit zu vermeiden. <5. N.-NeustcLtin u. a. Dem Rnfuge, daß selbst) in der Kriegszeit seitens der Iudenmission .Aufforderungen zum Aebcrtritt mtz glaubenstreue Juden versandt wenden, ist rechtlich leider nicht! beizukommen. Die neuerdings vielen Glaubensgenossen — selbst »Rabbinern — übermittelte Schrift einer getauften Jüdin („Diq lebendige Hoffnung Israels") zeichnet sich durch eine selbst für Iudenmissionstraktatchen ungewöhnliche Dreistigkeit in ihren Arrgriffen gegen das Judentum und in ihren Vcrhetzungsversuchenj aus. Eine Gefahr vermögen wir aber in solchen Ergüssen nicht zu erblicken. Denn ihre Logik ist so schwach und ihre in pathetisch--« schwülstigem Stile vorgetragene Beweisführung ist so naiv und kindlich, daß sie dem denkenden Juden höchstens ein Lächeln entlocken werden. Daß demgemäß diese Literatur ohne jede Wirkung auf jüdische Kreise und ohne jeden Erfolg bleibt, ist ebenso albgemein bekannt wie die andere Tatsache, daß durch die mit ungeheurem Geldaufwand unterhaltene Iudenmission nur eine der-, schwindend geringe Anzahl von Juden — überdies fast ausnahmslos höchst fragwürdige Existenzen — zum Taufbecken geführt werden^ Aarl A). K . . T . r, Frankfurt a. LN. So berechtigt ihre Empörung gegen die feigen Wühlereien ist, die in verleumderischen anonymen Schriften die Anfeindung des Reichskanzlers mit den wüsten Schimpfereien gegen das Judentumsvergnickt, würde doch Ihre sehr ausführliche Auslassung einem überschätzen jener auf Schleichwegen verbreiteten Hetzschriften gleichkommen. Deshalh sehen wir von der Veröffentlichung ab. Mehrere Einsender in RaLLbor. Gern sei hier festgestellt, baß der jugendliche Schöpfer der in unserem letzten hefte besprochenen Kriegsgedichte „Sturm und Drang", Felix Hermann, nicht ein „Glogauer Gymnasiast" war, sondern die Prima des Realgymnasiums in Ratibor besucht hat, bis er bei Kriegsausbruch als Freiwilliger ins Feld zog. Dr. Emil T . . - . . ttn, hier. Es ist richtig, daß schon vor Jahren, noch zu Luegers Lebzeiten, den Juden ein Platz in Wiener Stadtrat augeboten war. Damals lehnten chn die Juden Wierrs ab, weil sie auch nicht dem Anscheine nach dem Grundsatz einer Verteilung von Rechten oder Aemtern nach ihrem Anteil an der Bevölkerungsziffer durch ihr Verhalten Vorschub leisten wollten. Dieser Grundsatz, der, gegen Wortlaut und Sinn der Grundgesetze verstoßend, das Ende der Gleichberechtigung bedeutet, würde in seiner Übertragung auf das ganze öffentliche Leben die